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Die Geschichte der Ewigen Anbetung

Die Geschichte der Ewigen Anbetung allgemein

Kleine Geschichte der Eucharistischen Anbetung

Die Geschichte des Fronleichnamsfestes

Die Geschichte der Ewigen Anbetung in Türkheim

Die Geschichte der Ewigen Anbetung in Tirschenreuth


Die Geschichte der Ewigen Anbetung

Die Entwicklung der Lehre in der katholischen Kirche

John A. Hardon, S.J. (*1914 +2000)

In einer Zeit der weitverbreiteten Verunsicherung und des Unglaubens bietet diese Schrift im wichtigsten Element unseres Glaubens beispiellose Klarheit. Ich empfehle, dass sie im Gebet studiert und weit verbreitet wird. Sie ist sorgfältig erforscht und gut dokumentiert und verspricht unzählige Seelen zu einer unsterblichen Liebe zum eucharistischen Herrn zu erleuchten, anzuregen und zu inspirieren.

Bischof Jerome J. Hastrich, em. Bischof von Gallup, Neu-Mexiko, U.S.A.

Einführung

Das phänomenale Wachstum in der Verehrung der wirklichen Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie hat nicht nur einige wenige offene Leute erfasst. Gesellschaften zur Nachtanbetung, Gruppen für die Ewige Anbetung, nationale Vereinigungen von Gläubigen zur Förderung der Ewigen Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes, Heilige Stunden vor dem Tabernakel, monatliche, wöchentliche und sogar tägliche Aussetzung der Eucharistie in Kirchen und Kapellen, in einem Land nach dem anderen sind schon geradezu normal geworden.

Was bedeutet dies alles? Ist dies eine neue Form frommer Exzentrik, oder fußt sie auf der authentischen katholischen Lehre, ist sie gründet auf dem sicheren Fels der christlichen Offenbarung?

Es ist authentische katholische Lehre und es beruht auf der unabänderlichen Wahrheit unseres geoffenbarten Glaubens. Aber es muss erklärt werden, und die Erklärung ist ein klassisches Beispiel für das, was wir Entwicklung der Lehre nennen.

Unter Entwicklung der Lehre verstehen wir, dass eine göttlich geoffenbarte Wahrheit tiefer verstanden und klarer begriffen wird als zuvor. Unter der Anleitung des Heiligen Geistes, den Christus versprochen hat herabzusenden, um uns zu belehren, erkennt die Kirche tiefer, was sie immer schon geglaubt hat. Die daraus resultierenden Einsichten finden dann ihren Ausdruck in der Frömmigkeit der Gläubigen, auch wenn sie ganz ungewohnt sind im Blick auf die frühere Geschichte der Kirche. Das ganze Spektrum der Christologie und Mariologie bezeugt diesen dogmatischen Fortschritt. Anbetung der Eucharistie, ist deshalb lediglich ein weiteres, wenn auch dramatisches Beispiel der Lehrentwicklung.

Bei diesem Fortschritt ist immer vorausgesetzt, dass die objektiv geoffenbarte Wahrheit konstant und unverändert bleibt. Aber durch das Licht des Heiligen Geistes wird das subjektive Verständnis der Wahrheit klarer, sein Sinn überzeugender, das Erfassen durch den gläubigen Verstand wird immer fester

Unsere Absicht durch diese kurze Studie ist es, zu zeigen, wie die wirkliche Gegenwart Christi in der Euchariste eine wunderbare Entwicklung über die Jahrhunderte durchlaufen hat. Wir erleben jetzt, was nur als das Werk des Heiligen Geistes beschrieben werden kann, von dem Christus verheißen hat, dass “der Vater ihn senden wird in meinem Namen. Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.” (Joh 14,25)

Apostolische Zeit bis zum frühen Mittelalter

Der Glaube an die wirkliche physische Gegenwart Christi in der Eucharistie wuchs aus den Lehren der Evangelisten und des heiligen Paulus. Sie machten es offensichtlich für die apostolische Kirche, dass die eucharistischen Elemente in Wirklichkeit Jesus Christus selber sind, der so sein Heilswerk unter den Menschen fortsetzt.

Johannes und Paulus äußern sich besonders deutlich. Johannes hält den Zweifel der Jünger Christi fest bei seiner Predigt über die Wirklichkeit seines Leibes und Blutes als Nahrung und Trank, wenn er schreibt: “Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?” Simon Petrus hat zwar auch nicht mehr als jene verstanden, die Jesus verließen, aber seine Treue war stärker. Und so antwortete er: “Herr, zu wem sollen wir gehen?” (Joh 6,66-68)

Der Korintherbrief des Apostels Paulus tadelt die Gläubigen, weil sie die Agape, ein wunderbares Zeichen der Einheit, zu einem Moment der Spaltung gemacht haben. Er erinnert sie daran, dass die Eucharistie keine gewöhnliche Nahrung ist. Sie ist tatsächlich der Leib und das Blut Christi gemäß der Tradition, die “ich vom Herrn empfangen, und euch dann überliefert habe.” (1Kor 11,23-26)

An der Wende zum zweiten Jahrhundert muss Ignatius von Antiochien auf seinem Weg zum Martyrium nach Rom die Christen warnen, sich nicht von den Gnostikern - wir würden heute “Schwärmer” sagen - beeinflussen zu lassen, welche die wirkliche Gegenwart Jesu in der Eucharistie geleugnet haben. Ignatius erklärt: Diese Leute verzichten auf die Eucharistie, weil sie nicht annehmen, was wahrer christlicher Glaube ist, dass nämlich in der Eucharistie derselbe Jesus Christus gegenwärtig ist, der gelebt hat, gestorben und von den Toten auferstanden ist zu unserem Heil.

Unter dem Einfluss dieses Glaubens bewahrten die frühen Eremiten die Eucharistie in ihren Zellen auf. Mindestens seit der Mitte des dritten Jahrhunderts war es bei den Einsiedlern im Osten, besonders in Palästina und Ägypten, üblich, die konsekrierten Hostien in ihren Höhlen und Einsiedeleien zu aufzubewahren.

Die unmittelbare Absicht dieser Aufbewahrung war es, den Eremiten zu ermöglichen, sich selbst die Heilige Kommunion zu reichen. Diese Einsiedler aber waren sich wohl bewusst, welcher Art die wirkliche Gegenwart Jesu in der Eucharistie war und behandelten sie mit größter Ehrfurcht, wohl wissend welch große Gnade ihnen gewährt ist, in der Nähe des Allerheiligsten Sakramentes zu wohnen.

Sie hatten aber das Allerheiligste nicht nur bei sich in ihren Zellen, sondern sie trugen es auch bei sich, wenn sie unterwegs waren. Diese Gewohnheit wurde möglich durch das sogenannte fermentum, ein Brauch, der sicherlich bis um das Jahr 120 n. Chr. zurückreicht. Fermentum bezeichnet den Ritus, ein Stückchen der Eucharistie (manchmal in den Kelch eingetaucht) vom Bischof einer Diözese zum Bischof einer anderen Diözese zu bringen. Dieser konsumierte dann dieses Stückchen in der nächsten feierlichen Messe als Zeichen Einheit zwischen den Kirchen. Dieser Brauch wurde fermentum (Sauerteig) genannt, nicht nur weil gesäuertes Brot verwendet wurde, sondern auch weil die Eucharistie den Sauerteig der Einheit bezeichnet, der die Christen durchdringt und verwandelt, so daß sie eins werden mit Christus.

Bereits im zweiten Jahrhundert schickten Päpste die Eucharistie zu anderen Bischöfen als eine Bitte um Einheit im Glauben, gelegentlich taten Bischöfe gegenüber ihren Priestern dasselbe.

Als das Mönchtum sich vom Einsiedlertum zum Gemeinschaftsleben wandelte, erhielten die Mönche manchmal weiterhin dieses Privileg, die Eucharistie bei sich zu tragen. Sie trugen das Allerheiligste bei sich bei der Arbeit auf dem Feld oder auf der Reise. Die Hostie wurde entweder in einem kleinen Gefäß (chrismale) um Schulter und Brust, oder in einer kleinen Tasche (perula) unter der Kleidung um den Hals gehängt. Irische und britische Handschriften erwähnen diesen Brauch sehr häufig. Man tat dies nicht nur um die Hostien für den Kommunionempfang parat zu haben, sondern auch, um sich des Schutzes gegen Räuber und gegen die Gefahren des Reisens zu versichern.

Die Lebensbeschreibung des Hl. Comgall (+601) erzählt uns, wie dieser einmal von Heiden angegriffen wurde, während er auf dem Felde arbeitete. Als diese das Chrismale um seinen Hals hängen sah, wagten sie es aber aus Angst vor Rache nicht, ihn anzurühren, denn sie ahnten – so der Erzähler – dass Comgall seinen Gott bei sich hat. Tief bewegt von dieser Erfahrung rief der Heilige aus: “Herr, du bist meine Stärke, meine Zuflucht und mein Erlöser.”

Schon seit der Zeit des Konzils von Nizäa (325) wissen wir, dass begonnen wurde die Eucharistie in Klosterkirchen und Konventen aufzubewahren. Der unmittelbare Grund für diese Aufbewahrung waren die Kranken und die Sterbenden, und ebenso das fermentum. Natürlich war der geweihte Charakter der Hostien anerkannt und der Platz für ihre Aufbewahrung wurde der profanen Verwendung entzogen.

Vom Anfang des Gemeinschaftslebens an wurde deshalb das Allerheiligste Altarsakrament ein integraler Bestandteil des Kirchenbaus in einem Kloster. Eine verwirrende Vielfalt von Namen wurde verwendet, um den Aufbewahrungsort zu bezeichnen: Pastoforium, diakonikon, secretarium, und prothesis sind die Bekanntesten. So weit wir das sagen können, wurde die Eucharistie ursprünglich in einem besonderen Raum aufbewahrt, gleich neben dem Heiligtum, aber abgetrennt von der Kirche in der die Messe gefeiert wurde.

Sicher seit dem 9. Jahrhundert dann wurde das Allerheiligste Altarsakrament in der Klosterkirche selbst aufbewahrt, nahe beim Altar. Es gibt ein Gedicht aus dem Jahre 802, das uns von einem Gefäß (pyxis) mit geweihten Hostien über dem Hochaltar in der Abteikirche von Lindisfarne in England erzählt.

Der Brauch der Aufbewahrung der Eucharistie in religiösen Häusern war so allgemein, dass es nicht einmal vor dem Jahr 1000 einen gegenteiligen Hinweis gibt. Und tatsächlich, es sind noch zahlreiche Anweisungen vorhanden, die den Schutz der geweihten Spezies gewährleisten sollten - wie es das Sprichwort sagt: “vor der Entweihung durch Mäuse und gottlose Menschen”. Die Hostien mussten hinter Schloss und Riegel und manchmal in einem Gefäß aufbewahrt werden, das man hoch genug hängen konnte, um nicht so leicht von ungeweihten Händen erreicht werden zu können.

Es ist interessant festzustellen, dass eine der ersten eindeutigen Erwähnungen über die Aufbewahrung des Allerheiligsten Altarsakramentes sich in der Lebensbeschreibung des Hl Basilius befindet (+379). Basilius hat demnach, wenn er die Messe in seinem Kloster gefeiert hat, das eucharistische Brot in drei Stücke geteilt. Einen Teil hat er selber konsumiert, den zweiten Teil gab er den Mönchen und der dritten legte er in eine goldene Taube, die über dem Altar aufgehängt war.

Das würde bedeuten, obwohl wir weniger Zugang zu ostkirchlichen Quellen haben, dass die orientalischen Klöster Jahrhunderte vorher bereits die eucharistischen Elemente in der Klosterkirche selbst aufbewahrten und nicht nur in einem abgetrennten Raum.

Unter den Schätzen auf dem Monte Cassino die scheinbar im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, waren zwei kleine alte Tabernakel, einer aus Gold und ein anderer aus Silber. Sie waren Geschenkte von Papst Viktor III (+1087), der vor seiner Wahl zum Papst Abt im Kloster Monte Cassino war.

Von Berengar bis Franz von Assisi

Gegen Ende des elften Jahrhunderts betreten wir eine neue Ära in der Geschichte der Ewigen Anbetung. Seither wurde die Realpräsenz im katholischen Glauben fest angenommen und die Aufbewahrung der Eucharistie war allgemeine Praxis in katholischen Kirchen, einschließlich der Kapellen und Oratorien der klösterlichen Gemeinschaften. Als Berengar von Tour (999-1088), Archidiakon von Angers in Frankreich, öffentlich leugnete, dass Christus unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich und physisch gegenwärtig ist, brach plötzlich eine Revolution in der Kirche aus. Andere griffen diese Idee auf und begannen über den eucharistischen Christus zu schreiben, er sei nicht tatsächlich der Christus der Evangelien oder, im Einschluss, er wäre nicht tatsächlich da.

Die Angelegenheit wurde so ernst, dass Papst Gregor VII. Berengar verpflichtete, einen Widerruf zu unterschreiben. Dieses Credo hat Theologiegeschichte geschrieben. Es war die erste definierende Äußerung der Kirche über das, was immer geglaubt wurde und niemals ernsthaft herausgefordert worden war. Das Zeugnis kam von dem papstgewordenen Abt, dessen Glaube an das Allerheiligste Altarsakrament über Jahre hinweg in einem Benediktinerkloster genährt worden ist.

Gregors Lehre über die Realpräsenz wurde von Papst Paul VI. wörtlich zitiert in seinem historischen Dokument Mysterium Fidei (1965) um einer neuen Herausforderung des Glaubens an die Eucharistie in unseren Tagen zu begegnen – sehr ähnlich dem, was im elften Jahrhundert geschah.

    Ich glaube von Herzen und bekenne laut, daß das Brot und der Wein, die auf den Altar gebracht werden, durch das Geheimnis des Gebetes und die Worte unseres Erlösers substantiell verwandelt werden in das wahre und eigene und lebenspendende Fleisch und Blut Jesu Christi, unseres Herrn, und daß es nach der Wandlung der wahre Leib Christi bleibt, der aus der Jungfrau geboren ist und der für das Heil der Welt geopfert am Kreuze hing und der zur Rechten des Vaters sitzt, und das wahre Blut Christi, das aus seiner Seite vergossen wurde, nicht nur durch das Zeichen und die Kraft des Sakramentes, sondern in der eigenen Natur und in seiner wirklichen Substanz.

Mit diesem Glaubensbekenntnis begann in den europäischen Kirchen etwas, was man nur als eine eucharistische Renaissance beschreiben kann. Prozessionen mit dem Allerheiligsten Altarsakrament wurden eingeführt; bestimmte Akte der Anbetung wurden erlaubt; Besuche bei Christus in der Monstranz wurden empfohlen; in die Zellen von Einsiedlerinnen wurden Fenster zur Kirche eingebaut, die es den Nonnen ermöglichten, den Tabernakel zu sehen und vor ihm anzubeten. Eine frühe Regel der Karmeliten beinhaltet die Worte “zur Verehrung für jene im Chor” als Begründung für die Aufbewahrung der Eucharistie.

Vom elften Jahrhundert an wurde die Verehrung des Allerheiligsten Altarsakramentes im Tabernakel in der katholischen Welt immer wichtiger. Auf jeder Stufe dieser Entwicklung übernahmen Ordensleute die Führung.

Der Benediktiner Lafrank führte als Erzbischof von Canterbury zahllose Bräuche aus Frankreich bezüglich der Verehrung der Realpräsenz in England ein.

Der Hl. Franz von Assisi, der niemals zum Priester geweiht wurde, hatte eine große persönliche Liebe zum Christus im Allerheiligsten Altarsakrament. Seine erste Ermahnung im Bezug auf die Hl. Eucharistie hätte nicht genauer sein können:

    Die Hl. Schrift sagt uns, dass der Vater in “unzugänglichen Licht” (1 Tim 6,16) wohnt und das “Gott Geist ist” (Joh 4,24). Der Hl. Johannes fügt hinzu: “Niemand hat Gott je gesehen (Joh 1:18). Weil Gott Geist ist, kann er auch nur im Geist gesehen werden; “Der Geist macht lebendig; das Fleisch nützt nichts.” (Joh 6,63). Aber Gott Sohn ist dem Vater gleich und so kann auch er nur auf dieselbe Weise gesehen werden als der Vater und der Hl. Geist. Das ist auch der Grund, warum all jene verdammt wurden, die unseren Herrn Jesus Christus in seiner Menschheit, aber nicht im Geist seine Gottheit gesehen haben und an sie geglaubt haben, dass er nämlich der wahre Sohn Gottes war. In gleicher Weise werden jetzt all jene verdammt, die das Sakrament des Leibes Christi sehen, der auf dem Altar in der Gestalt des Brotes und Weines durch die Herrenworte in den Händen des Priesters verwandelt wird, und die nicht sehen oder glauben im Geist und in Gott, dass dies wirklich der allerheiligste Leib und das allerheiligste Blut unseres Herrn Jesus Christus ist.

Es war dieser klare Glaube an die Gegenwart Christi in der Eucharistie, der Franziskus in seinen härtesten Versuchungen gehalten hat. Es war dieser selbe Glaube, der eine ganz neue Tradition unter religiösen Frauengemeinschaften inspiriert hat. Konvente bewahrten das Sakrament auf für die Anbetung außerhalb der Messe und der Heiligen Kommunion.

Das Fronleichnamsfest

Es war deshalb nichts überraschendes als Papst Urban IV. im dreizehnten Jahrhundert das Fronleichnamsfest eingeführt hatte. Bei der Einrichtung dieses Festes betonte der Papst die Liebe Christi, der physisch bei uns bleiben wollte bis zum Ende der Zeiten.

In der Eucharistie, sagte der Papst, “ist Christus bei uns in seinem eigenen Wesen.” Denn “als er den Aposteln seine Himmelfahrt ankündigte, sagte er: ‚Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt,‘ und tröstete sie so mit dem großartigen Versprechen, dass er bei ihnen bleiben wird sogar in seiner leiblichen Gegenwart” (11. August 1264).

Urban IV. beauftragte den Hl. Thomas von Aquin, die Stundenliturgie für das Fronleichnams-   fest zusammenzustellen, um sie jährlich am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag zu feiern.

Thomas verfasste drei Hymnen für das Fest, die alle mit zu den schönsten Hymnen der katholischen Liturgie zählen. Sie drücken den unveränderlichen Glauben der Kirche an die bleibende Gegenwart ihres Gründers auf Erden aus. Sie erklären zudem, warum die Gläubigen Christus im Allerheiligsten Altarsakrament anbeten. Alle drei Hymnen sind Teil des Stundengebetes. Sie sind am Besten bekannt durch ihre ersten zwei oder drei Worte, die Teil des Schatzes der katholischen Hymnologie geworden sind.

  • O Salutaris Hostia ist ein Akt der Anbetung Christi, dem rettenden Opfer, der die Tore des Himmels für den Menschen darunter weit geöffnet hat.
  • Tantum Ergo Sacramentum ist ein Akt der Anbetung des fleischgewordenen Wortes, wo der Glaube ergänzt, was die Sinne nicht erfassen können.
  • Panis Angelicus ist ein Akt der Anbetung des Wunderbarlichen Gutes, wo die Niederen und Armen genährt werden, indem sie essen von ihrem Mensch gewordenen Herrn und König.

Thomas von Aquin wie die Kirche trennte bei der Eucharistie niemals Opfer, Kommunion und Gegenwart. Genauso wie die Kirche verstand er, dass es ohne die Realpräsenz kein wirkliches Opfer und keine wirkliche Kommunion gibt. Thomas von Aquin stellt fest, dass Gott Mensch geworden ist und sich selbst auf Golgotha opfert hat und dass er fortfährt sich selbst zu opfern in der Messe. Er ist Mensch geworden, damit er sich selbst den Jüngern im letzten Abendmahl schenken konnte und er fährt fort sich selbst uns zu geben in der Heiligen Kommunion. Er ist Mensch geworden, um in Fleisch und Blut in Palästina zu leben und er fährt fort jetzt auf der Erde zu leben als der selbe Jesus, der gestorben und auferstanden ist und zur Rechten seines himmlischen Vaters sitzt.

Vom Mittelalter zum Konzil von Trient

Seit Papst Urban IV. das Fronleichnamsfest eingeführt hat waren die Bischöfe von Rom sehr wachsam, den Glauben der Kirche an die unaufhörliche Gegenwart ihres Gründers auf Erden in der Heiligen Eucharistie zu schützen. Und immer wenn eine neue Schwierigkeit auftauchte, regte dies dazu an, diesen Glauben noch klarer und deutlicher zu machen. Kurz gesagt, sie führte nur zu einer beschleunigten Entwicklung der eucharistischen Lehre.

Im vierzehnten Jahrhundert baten die Armenier Papst Klemens VI. um finanzielle Hilfe, damit sie die hohen Abgaben aufbringen können, die der regierende Sultan ihnen auferlegt hatte. Im Briefwechsel mit den armenischen Bischöfen wollte der Papst sich vergewissern, ob sie den ungekürzten katholischen Glauben bekennen. Unter anderen Glaubenssätzen, zu denen er sie um Bestätigung bat, war auch dieser: “Nach den Wandlungsworten ist der gleiche Leib Christi gegenwärtig, der von der Jungfrau geboren und am Kreuz geopfert wurde” (29. September 1351).

Zwanzig Jahre später kam eine theoretische Frage auf, die einige ernste praktische Konsequenzen hatte. Einige Schreiber erwogen, ob Christus in der Eucharistie gegenwärtig bleibt, wenn die geweihten Hostien entweiht werden. Papst Gregor XI. forderte die Verwerfung der folgenden Aussagen:

    Wenn eine konsekrierte Hostie in eine Klärgrube, in den Straßendreck oder irgend einen anderen profanen Ort fällt oder geworfen wird, selbst dann wenn die Gestalt erhalten bleibt, hört die Gegenwart des Leibes Christi auf und die Brotsubstanz kehrt zurück.

    Wenn eine konsekrierte Hostie von einem Nagetier oder einem anderen Tier gefressen wird, selbst dann wenn die Gestalt erhalten bleibt, hört die Gegenwart des Leibes Christi auf und Brotsubstanz kehrt zurück. (8. August 1371)

Noch ernster war das Problem, das die sogenannten Kalixtiner im fünfzehnten Jahrhundert aufwarfen. Sie behaupteten, dass der ganze Christus nur dann empfangen ist, wenn die Gläubigen die heilige Kommunion unter beiden Gestalten einschließlich des Kelches empfangen haben. Dieses Mal hat das allgemeine Konzil von Konstanz entschieden, “zu erklären, zu bestimmen und zu definieren”, als einen Glaubensartikel, dass “der ganze Leib und das ganze Blut Christi wahrhaft sowohl unter der Gestalt des Brotes als auch unter der Gestalt des Weines enthalten ist.” Diese Definition wurde von Papst Martin V. bestätigt (1. September 1425). Die Folgen für die Aussetzung und die Anbetung der Eucharistie sind offensichtlich.

Das Konzil von Trient

Im sechzehnten Jahrhundert wurde das ganze Spektrum des katholischen Glaubens an die heilige Eucharistie herausgefordert durch die Reformatoren. Konsequenterweise behandelte das Konzil von Trient dieses Thema umfassend. Jeder Aspekt des Opfers der Messe, der Heiligen Kommunion und der Realpräsenz wurden geklärt und definiert.

Für unsere Sache war die Lehre des Konzils über die Realpräsenz historisch. Es war das Morgengrauen der bedeutendsten Entwicklung der eucharistischen Lehre seit den apostolischen Zeiten. Schon einige wenige Sätze von Trient zeigen dies.

    Die anderen Sakramente haben keine Kraft zum Heiligen solange sie niemand empfängt, aber bei der Eucharistie ist der eigentliche Urheber der Heiligkeit schon gegenwärtig, bevor das Sakrament empfangen wird. Denn bevor die Apostel die Eucharistie aus den Händen unseres Herrn empfingen, erklärte er ihnen, dass es sein Leib ist, den er ihnen gibt.

    Die Kirche Gottes hat immer geglaubt, dass unmittelbar nach der Wandlung der wahre Leib und das wahre Blut unseres Herrn zusammen mit seiner Seele und Gottheit, existiert unter der Gestalt des Brotes und Weines. Sein Leib existiert unter der Gestalt des Brotes und sein Blut unter der Gestalt des Weines gemäß dem Sinn dieser Worte. Aber sein Leib existiert auch unter der Gestalt des Weines und sein Blut unter der Gestalt des Brotes, und seine Seele unter beiden Gestalten auf Grund der natürlichen Verknüpfung und Verbindung, welche die Teile Christi unseres Herrn vereinigt, der von den Toten auferstanden ist und nicht mehr stirbt.

Noch mehr, die Gottheit Christi ist gegenwärtig wegen ihrer wunderbaren hypostatischen Union zwischen seinem Leib und seiner Seele. Es ist daher absolut wahr, dass er unter jeder einzelnen Gestalt genauso gegenwärtig ist als in beiden zusammen. Denn Christus existiert ganz und völlig unter der Gestalt des Brotes und unter jedem Teil dieser Gestalt, und gleichermaßen existiert der ganze Christus unter der Gestalt des Weines und unter jedem Teil dieser Gestalt.

Nachdem das Konzil von Trient diese Glaubenswahrheit bestätigt hatte, konnte es logischerweise fortfahren zu erklären, dass

    “der eingeborene Sohn Gottes im heiligen Sakrament der Eucharistie verehrt werden muss mit der Huldigung der Anbetung, einschließlich der öffentlichen Anbetung. Das Sakrament muss daher verehrt werden mit außerordentlicher Feierlichkeit und soll in Prozessionen feierlich getragen werden von Ort zu Ort gemäß dem lobenswerten universellen Ritus und Brauch der heiligen Kirche. Das Sakrament muss öffentlich ausgesetzt werden zur Anbetung der Menschen.

Bestätigt durch Papst Julius III. (11. Oktober 1551) wurden diese Konzilsaussagen zum Fundament für den seitherigen Fortschritt in der Dogmatik und der Frömmigkeit.

Die Entwicklung der eucharistischen Anbetung

Wie wir gesehen haben hat es die Aufbewahrung und Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes seit den frühen Tagen der Kirche gegeben. Aber mit dem Konzil von Trient begann eine neue Ära in der Verehrung der Gläubigen im Bezug auf die wahre Gegenwart Christi in der Eucharistie.

Das Vierzigstündige Gebet

Vor Ende des sechzehnten Jahrhunderts veröffentlichte Papst Klemens VIII. 1592 ein historisches Dokument, das in italienisch Quarant‘ Ore (Vierzig Stunden) genannt wurde.

Die Frömmigkeitsübung bestand aus vierzig Stunden fortdauernden Gebetes vor dem ausgesetzten Allerheiligsten Altarsakrament. Schon früher wurde dieses auf lokaler Ebene in Mailand eingeführt, der Bischof von Rom hat dann diese Übung nicht nur für Rom erlaubt, sondern auch erklärt, wie sie gehalten werden soll.

    Wir haben beschlossen in dieser Mutterstadt Rom ein ununterbrochenes Gebet öffentlich einzurichten in solcher Weise, dass in den verschiedenen Kirchen [er nennt sie im einzelnen] an festgesetzten Tagen die fromme und heilbringende Übung des Vierzigstündigen Gebetes gehalten werden soll; es soll so auf die Kirchen und Zeiten verteilt werden, dass zu jeder Stunde des Tages und der Nacht der Wohlgeruch des Gebetes ohne Unterbrechung vor das Angesicht des Herrn aufsteigen möge.

Ungefähr ein Jahrhundert später (1731) veröffentlichte Klemens XIII. eine detaillierte Reihe von Anweisungen für die würdige Ausführung des Vierzigstündigen Gebetes, z.B.

  • Das Allerheiligste Altarsakrament wird immer auf dem Hochaltar ausgesetzt, ausgenommen in Patriarchalbasiliken.
  • Statuen, Reliquien und Bilder um den Aussetzungsaltar müssen entfernt oder verhängt werden.
  • Nur Kleriker im Chorhemd dürfen sich um den Aussetzungsaltar kümmern.
  • Die Anbeter müssen einander ununterbrochen ablösen vor dem Allerheiligsten Altarsakrament, ein Priester oder Kleriker des höheren Ranges soll mit dabei sein.
  • Am Aussetzungsaltar dürfen keine Heilige Messen gefeiert werden.

Schrittweise verbreitete sich das Vierzigstündige Gebet in der katholischen Welt. Empfohlen vom Kodex des Kirchenrechts von 1917 bestimmt der neue Kodex von 1983, dass in Kirchen und Oratorien, in denen die Eucharistie aufbewahrt wird,

    es empfohlen wird, dort alljährlich eine feierliche Aussetzung des Allerheiligsten abzuhalten, die eine angemessene, wenn auch nicht zusammenhängende Zeit dauert, damit die örtliche Gemeinde das Geheimnis der Eucharistie tiefer bedenkt und verehrt (CIC can. 942).

Ewige Anbetung

Der Ausdruck “Ewige Anbetung” wird weithin verwendet um die praktisch ununterbrochene Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes zu bezeichnen. Der Ausdruck kann allerdings verschiedene Bedeutungen haben:

  • Die Anbetung ist buchstäblich ewig, d.h. es ist immer jemand da, der vor dem Allerheiligsten Altarsakrament betet.
  • Die Anbetung ist ewig mit nur kurzen Unterbrechungen, die durch zwingende Gründe oder unkontrollierbare Umstände erforderlich sind.
  • Die Anbetung ist ununterbrochen für eine längeren oder kürzeren Zeitabschnitt, einen Tag oder mehrere Tage wie z.B. beim Vierzigstündigen Gebet.
  • Die Anbetung ist ununterbrochen in einer speziellen Kirche oder Kapelle
  • Die Anbetung ist ununterbrochen in verschiedenen Kirchen oder Kapellen in einem Gebiet wie z.B. in einer Diözese oder einem Land oder in der ganzen Welt.

Einige Autoren führen die ersten Anfänge der Ewigen Anbetung auf das späte vierte Jahrhundert zurück, als Neubekehrte in einigen Diözesen das ausgesetzte Allerheiligste Altarsakrament nach ihrer Taufe acht Tage hindurch angebetet haben. Auf jeden Fall steht fest, dass schon vor der Einführung des Fronleichnamsfestes nicht nur Ordensleute in ihren Konventen und Klöstern, sondern ebenso Laien die Ewige Anbetung praktiziert haben.

Nach seinem Sieg über die Albigenser bat König Ludwig VII. von Frankreich den Bischof von Avignon um die Aussetzung des Allerheiligsten Altarsakramentes in der Heilig-Kreuz-Kapelle (14. September 1226). Der Andrang der Anbeter war so groß, dass der Bischof entschied, diese Anbetung Tag und Nacht fortzusetzen. Dies wurde später bestätigt durch den heiligen Stuhl und dauerte ununterbrochen fort bis zur Französischen Revolution 1792. Im Jahre 1829 wurde diese Ewige Anbetung wiedererrichtet.

Wie auch immer, es dauerte bis zum Konzil von Trient, bis die Ewige Anbetung sich in einer weltweiten Dimension entwickeln konnte. Wir können insbesondere die folgenden Formen unterscheiden:

Kontemplative Gemeinschaften

wurden gegründet für den ausdrücklichen Zweck der Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes bei Tag und bei Nacht. Einige, wie z.B. die Benediktinerinnen von der Ewigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes in Österreich (1654) legen ein feierliches Gelübde für die Ewige Anbetung ab.

Apostolische Gemeinschaften

wurden gegründet um einerseits die Anbetung selbst zu pflegen und andererseits die Ewige Anbetung der Eucharistie unter den Gläubigen zu fördern. So begann die Kongregation vom Heiligsten Herzen Jesu und Mariens und von der Ewigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes. Formell anerkannt im Jahre 1817 ist es das Ziel dieser Gemeinschaft, die vier Stadien dies Lebens Christi zu ehren und nachzuahmen durch die Übung der Anbetung der Eucharistie.

Gesellschaft der Nächtlichen Anbetung der Männer

wurde begonnen in einer internationalen Dimension 1810 in Rom mit der Gründung der Frommen Union der Anbeter des Allerheiligsten Altarsakramentes. Sie verbreiteten sich in ganz Europa und nach Nord- und Südamerika. Ihr Schwerpunkt war (und ist) die Ewige Anbetung im engen Sinn.

Vereinigungen der Ewigen Anbetung

der Gläubigen gehen zurück auf das siebzehnte Jahrhundert. Eine der frühesten wurde begonnen von Baron de Renty im Jahre 1641 in der Pfarrei St. Paul in Paris. Es war eine Vereinigung der Ewigen Anbetung für Frauen. In Boulogne in Frankreich (1753) wurden die Pfarreien in zwölf Gruppen eingeteilt nach den zwölf Monaten des Jahres. Jede Gruppe bestand aus so vielen Pfarreien als Tage sind im Monat. Für jede Kirche in jeder Gruppe wurde ein Tag für die Ewige Anbetung bestimmt.

Unter den Aposteln der Ewigen Anbetung für die Laien hatte niemand dauerhafteren Einfluss in der modernen Welt als der Heilige Peter Julian Eymard. Im Jahre 1856 gründete er die Väter von Allerheiligsten Altarsakrament in Paris und zwei Jahre später zusammen mit Marguerite Guillot, errichtete er die Gemeinschaft der Dienerinnen des Allerheiligsten Altarsakramentes, eine klausurierte, kontemplative Kongregation von Frauen. Peter Eymards veröffentlichte Konferenzen über die Realpräsenz haben zahlreichen Laienvereinigungen begeistert. Sie nahmen seine Worte ernst, wenn er sagte:

    In der Gegenwart Jesu Christi im Allerheiligsten Altarsakrament verschwindet alle Größe, alle Heiligkeit erniedrigt sich selbst und wird gleichsam zu nichts. Jesus Christus ist da!

Besuchungen des Allerheiligsten Altarsakramentes

Nicht unähnlich zur Ewigen Anbetung ist die Geschichte der Besuchungen des Allerheiligsten Altarsakramentes bestens bekannt aus der monastischen Spiritualität des frühen Mittelalters. Im dreizehnten Jahrhundert bestimmte Ancren Riwle, die Regel für Einsiedlerinnen, für die Nonnen, den Tag mit einer Besuchung des Allerheiligsten Altarsakramentes zu beginnen.

Auch Priester, die leichten Zugang zur aufbewahrten heiligen Eucharistie hatten, wollten regelmäßig unseren Herrn im Allerheiligsten Altarsakrament besuchen. Dies tat z.B. der heilige Märtyrer Thomas Becket (1118-1170). Er schreibt in einem Brief an einen Freund:

    Wenn du nicht auf mich hörst, der ich gewohnt war für dich zu beten in einem Überfluss von Tränen und mit nicht geringem Klagen vor der Majestät des Leibes Christi (Materialien, V, 276)...

Im vierzehnten Jahrhundert lesen wir, wie der englische Mystiker Richard Rolle Christen streng ermahnt, so oft als möglich die nächstgelegene Kirche zu besuchen. Warum? Weil

    es in der Kirche am besten zu beten ist, denn da ist Gott auf dem Altar um jene zu erhören, die zu ihm beten und ihnen zu gewähren, worum sie bitten und was gut ist für sie (Werke, I, 145).

Kirchengeschichtler erzählen uns, dass zum Ende dieses Jahrhunderts es weithin üblich geworden ist für die Leute, das Allerheiligste Altarsakrament zu besuchen.

Eine der nüchternen Fakten der Reformation ist es zu wissen, was geschah, als die englischen Reformatoren sich von Rom abspalteten. Zunächst wurde dem Klerus noch nicht verboten, etwas von den beiden Gestalten nach der Zeremonie des Abendmahls aufzubewahren - um es den Kranken und Sterbenden reichen zu können. Aber nach kurzer Zeit wurde die Aufbewahrung der eucharistischen Gaben selten. Das war nach den Neununddreißig Artikeln (1571) zu erwarten, in denen erklärt wurde, dass die Wesensverwandlung unwahr sei und dass die Eucharistie nicht angebetet oder in Prozessionen herumgetragen werden soll.

Dreihundert Jahre später führten die Anglikaner, welche die Oxford Bewegung gründeten, die ständige Aufbewahrung der Eucharistie wieder ein und ermutigen die Besuchungen des Allerheiligsten Altarsakramentes. Zeugnis für diese Rückkehr zur katholischen eucharistischen Frömmigkeit gibt die anglikanische Schwesternschaft der Hl. Margareta, die im Jahre 1854 gegründet wurde. Die Aufzeichnungen der Gemeinschaft zeigen, dass die Schwestern bald nach ihrer Gründung tägliche Besuchungen bei der Eucharistie in ihrem Oratorium machten und ungefähr zur selben Zeit den eucharistischen Segen einführten.

In der Katholischen Kirche wurden die Besuchungen beim Allerheiligsten Altarsakrament zu einem üblichen Teil des persönlichen und gemeinschaftlichen Gebetes. Der erste Kodex des kanonischen Rechtes drängte die “Gläubigen, das Allerheiligste Altarsakrament so oft als möglich zu besuchen” (can. 1273). Der neue Kodex ist noch genauer.

    Wenn kein schwerwiegender Grund dem entgegensteht, ist eine Kirche, in der die heiligste Eucharistie aufbewahrt wird, täglich wenigstens einige Stunden für die Gläubigen offenzuhalten, damit sie vor dem heiligsten Sakrament dem Gebet obliegen können (can. 937).

Ordensmitgliedern wird schlicht empfohlen, dass sie jeden Tag “den im Sakrament gegenwärtigen Herrn anbeten” sollen (can. 663 §2)

Eucharistischer Segen

Genauso wie andere eucharistische Frömmigkeitsformen begann auch der eucharistische Segen, wie er gemeinhin genannt wird, im dreizehnten Jahrhundert. Dies war sehr beeinflusst durch die Einführung des Fronleichnamsfestes. Zwei Hymnen besonders, O Salutaris Hostia und Tantum Ergo, verfasst vom heiligen Thomas von Aquin, wurden Teil des Segens.

Ein nicht allgemein bekannter Aspekt der Geschichte des eucharistischen Segens ist seine frühe Verknüpfung mit der Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria. Dies wurde schon im Pange Lingua Hymnus ausgedrückt bei der ersten Vesper der Fronleichnamsliturgie, wo es heißt: “Uns wurde er gegeben, uns wurde er geboren aus der reinen Jungfrau.” Ohne Maria gäbe es keine Inkarnation, und ohne Inkarnation gäbe es keine Eucharistie.

Wie von Historikern aufgezeigt wird gab es im frühen dreizehnten Jahrhundert organisierte Bruderschaften und Gilden in großer Zahl, deren Brauch es war allabendlich vor der Statue Unserer Lieben Frau Hymnen zu singen. Diese wurden Laudes (Lobpreisungen) genannt und waren oft in der Landessprache oder sogar im örtlichen Dialekt der Leute verfasst. In den Händen von Leuten wie dem Franziskaner Giacopone da Todi (1230-1306) halfen diese Hymnen eine eigene italienische Literatur zu entwickeln. Die Bruderschaften wurden Laudesi genannt.

Durch dem Auftrieb, der durch das Fronleichnamsfest gegeben wurde, wurden diese marianischen Gesangstreffen oft begleitet von einer Aussetzung des Allerheiligsten Altarsakramentes. Was als Brauch begann, der Marienverehrung eine größere Feierlichkeit zu geben, wurde schließlich zu einer besonderen Form der eucharistischen Frömmigkeit.

In Frankreich wurden diese marianischen Gesangstreffen Salut genannt, in den Niederlanden Lof, in Deutschland und England einfach Salve. Sie wurden schrittweise kombiniert mit der Aussetzung der Eucharistie, besonders wenn das Allerheiligste Altarsakrament in einer Prozession getragen wurde und/oder die Kranken mit der heiligen Eucharistie gesegnet wurden. Wenn jemand seinen letzten Willen festlegte, hinterließen viele Vermächtnisse für die ständige Unterstützung dieser abendlichen Gesangsfeste zu Ehren Unsere Liebe Frau und baten noch genauer darum, dass das Allerheiligste Altarsakrament ausgesetzt bleiben soll während der ganzen Zeit des Salut. Der generationenalte Brauch der Krankensegnung mit der heiligen Eucharistie in Lourdes ist also lediglich eine Ausdehnung dieser Verbindung von eucharistischem Segen mit der Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria.

Eucharistische Kongresse

Als öffentliche Demonstrationen des Glaubens an die Realpräsenz gehen örtliche eucharistische Kongresse zurück auf das Mittelalter. Aber der erste internationale Kongress wuchs aus dem Eifer von Marie-Marthe Tamisier (1834-1910), einer französischen Frau, die von Kindheit an eine außergewöhnliche Liebe zum Allerheiligsten Altarsakramentes hatte. Sie nannte einen Tag ohne Kommunion ihren Karfreitag. Nachdem sie mehrmals erfolglos versucht hatte einem Orden beizutreten, verbrachte sie die meiste Zeit ihres Lebens mit der Verbreitung der Verehrung der wirklichen Gegenwart Jesu im Allerheiligsten Altarsakrament. Begeistert von den Konferenzen von Peter Julian Eymard und geleitet von Abt Chevier von Lyon, förderte sie zunächst Wallfahrten zu Heiligtümern, wo eucharistische Wunder sich ereignet hatten. Schließlich wurde der erste eucharistische Kongress im Jahre 1881 in Lille gehalten. Beim fünften Kongreß in Toulouse im Jahre 1886 nahmen bereits über fünfzehnhundert Bischöfe und Priester teil, dazu noch dreißigtausend gläubige Laien.

Inzwischen wurden internationale Kongresse auf allen Erdteilen veranstaltet, einschließlich Afrika, Asien und Australien. Papst Paul VI besuchte den achtunddreißigsten und neununddreißigsten eucharistischen Kongress in Bombay 1964 und Bogota 1968. Papst Johannes Paul II. wollte den hundertjährigen Jubiläumskongress in Lourdes 1981 besuchen, wurde aber durch den Mordanschlag auf ihn am 13. Mai 1981 davon abgehalten.

Nationale Kongresse sind inzwischen weit verbreitet. Während eines solchen in Bogota 1980 fasste Papst Johannes Paul II. die Aufgabe zusammen, welcher ein eucharistischer Kongress in der Vorsehung Gottes dienen sollte:

    Der eucharistische Kongress ist zum ersten und vor allem ein großer gemeinsamer Glaubensakt an die Gegenwart und an das Handeln Jesu in der Eucharistie, der sakramental bei uns bleibt, um mit uns auf unseren Wegen zu reisen, so dass wir mit seiner Kraft unserer Probleme, unserer Lasten und Leiden gewachsen sind.

    Von daher wollen wir uns vereinigen um die geweihte Hostie, den göttlichen Pilger unter den Pilgern, sehnsüchtig, um von ihm die Begeisterung und Kraft zu holen, um die Nöte und Wünsche unserer ausgewanderten Brüder zu unseren zu machen.

    Der eucharistische Kongress soll im einzelnen demonstrieren und das Faktum beleuchten, dass das Volk Gottes hier auf Erden aus der Eucharistie lebt, dass es von ihr ihre Stärke für die täglichen Mühen und für die Kämpfe in allen Bereichen der Existenz erhält (30. Juni und 9. Juli 1980).

Mehr als ein Jahrhundert der Erfahrung hat dieses Urteil des Papstes bestätigt.

Warum gibt es eine Entwicklung der eucharistischen Lehre?

Wir verlassen jetzt die Betrachtung der Entwicklung der eucharistischen Anbetung und schreiten zur eucharistischen Lehre. Diese zwei Formen der Entwicklung hängen zwar zusammen, sind aber nicht dasselbe.

Wir könnten sagen, dass historisch gesehen das Wachstum in der Verehrung auch die Lehrentwicklung gefördert hat. Dies ist aber noch nicht bewiesen. Unsere Absicht von hier an soll es sein zu zeigen, wie die Segnungen, welche die Gläubigen durch die Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes erfahren haben unter der Führung der Kirche für jene, die glauben zu einem phänomenalen Wachstum im Verständnis der Realpräsenz als einer wunderbaren Gnadenquelle führte.

Grundlegende Voraussetzungen der Lehrentwicklung

Das Zweite Vatikanische Konzil wird in die Geschichte eingehen als das Konzil des dogmatischen Fortschritts. Es waren genau vierhundert Jahre seit dem Abschluss des Konzils von Trient (1563) als das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet wurde (1962).

Während dieser vier Jahrhunderte wuchs ein Hauptmysterium des christlichen Glaubens nach dem anderen in immenser Weise. Das wesentliche Glaubensgut ist natürlich immer dasselbe geblieben. Aber die Bedeutung des Glaubens hat sich entwickelt in einem Grade, das vielen Ärgernis bereitet hat, von anderen missverstanden wurde und wir könnten sagen nur von relativ wenigen erkannt worden ist.

Es ist deshalb nicht überraschend, dass das II: Vatikanum die grundlegenden Prinzipien für die Lehrentwicklung formuliert hat. Nach der Erklärung über die göttliche Offenbarung, die sich in der Heiligen Schrift und der Tradition findet und der Kirche zur Bewahrung anvertraut ist, spricht das Konzil davon, dass die Kirche mehr tun muss, als nur die geoffenbarte Wahrheit zu hüten. Ihre Sendung ist es auch, für das Wachstum in der Annahme dieser Wahrheit zu sorgen. Das geoffenbarte Glaubensgut “das von den Aposteln kommt, schreitet fort in der Kirche mit der Hilfe des Heiligen Geistes.”

    So führt die Kirche in Lehre, Leben und Kult durch die Zeiten weiter und übermittelt allen Geschlechtern alles, was sie selber ist, alles, was sie glaubt. Diese apostolische Überlieferung kennt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt: es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen (vgl. Lk 2,19.51), durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben; denn die Kirche strebt im Gang der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis an ihr sich Gottes Worte erfüllen. (Dei Verbum 8)

Unter den Wegen, in denen die Kirche im Verständnis des Sakramentes der Eucharistie gewachsen ist, wollen wir uns nur auf einen konzentrieren namens “Erfahrung”.

Erfahrene Gnaden durch die Ewige Anbetung

Das Konzil von Trient erklärt, dass Christus jetzt in der Eucharistie nicht weniger verehrt werden soll als er es damals im ersten Jahrhundert in Palästina wurde. Warum? Weil im Allerheiligsten Altarsakrament “derselbe Gott gegenwärtig ist, den die Apostel in Galiläa angebetet haben” (Dekret über die Heilige Eucharistie, Kapitel 5) Die Anbetbarkeit des eucharistischen Christus ist daher eine Wahrheit des katholischen Glaubens.

Was immer klarer wird, wie auch immer, ist, dass Christus in der Eucharistie nicht nur anbetbar, sondern auch anflehbar ist. Er muss nicht nur angebetet werden, wie Thomas es tat, als er ihn anredete mit “Mein Herr und mein Gott.” Er muss auch gebeten werden um alles, was wir brauchen, wie der Blinde, der bettelte, “Herr, ich will wieder sehen können!” oder wir müssen ihm uns nähern wie die Frau, die zu sich selbst sagt, “Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich wieder gesund.” Unzählige Gläubige haben inzwischen den Erlöser in der Eucharistie angebettelt um das, was sie brauchten, und haben sich ihm genähert im Tabernakel oder auf dem Altar. Ihre sich daraus ergebende Erfahrung hat ganz gründlich das Bewusstsein der Kirche vertieft, wie buchstäblich Christus geredet hat, als er uns versprochen hat, bei uns zu bleiben bis zum Ende der Welt.

Die Erfahrung war hauptsächlich geistlich: Der Verstand wird erleuchtet, der Wille gestärkt, Gnaden gewährt für einen selbst und für andere, eine schwache menschliche Natur wird befähigt, übermenschliche Prüfungen zu bestehen, normalen Leute empfangen eine übernatürliche Kraft um außerordentliche Nöte zu bewältigen.

Hll. John Fisher (1469-1535) und Thomas Morus (1478-1535)

Sie wurden gestärkt in ihrem Leben und bereiteten sich selbst auf das Martyrium vor durch die inbrünstige Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes. In einem der Gebete von Thomas Morus, veröffentlicht nach seinem Tod, lesen wir:

    Oh süßer Erlöser, Christus, durch die grausamen Qualen deines bittersten Leidens, nimm von mir, guter Herr, diese lauwarme Haltung oder vielmehr schon erkaltete Betrachtung und diese Schwerfälligkeit im Gebet zu dir. Gib mir deine Gnade, nach deinem heiligen Sakrament zu verlangen und mich besonders in der Gegenwart deines gesegneten Leibes zu erfreuen, süßer Erlöser, Christus, im Allerheiligsten Altarsakrament, um dir gebührlich zu danken für deinen gnädigen Besuch.

Hl. Franz Xaver (1506-1552)

Nachdem er den ganzen Tag gepredigt und getauft hatte, verbrachte er oft die Nacht im Gebet vor dem Allerheiligsten Altarsakrament.

Hl. Maria Magdalena von Pazzi (1566-1607)

Sie war eine Karmelitin seit ihrem siebzehnten Lebensjahr. Sie empfahl beschäftigten Leuten in der Welt, jeden Tag sich Zeit zu nehmen, um vor der heiligen Eucharistie zu beten. Sie schrieb:

    Ein Freund besucht einen Freund am Morgen, um ihm einen guten Tag zu wünschen, am Abend, um ihm gute Nacht zu sagen und nutzt zudem die Gelegenheit, ihm auch während des Tages zu begegnen. In ähnlicher Weise macht Besuche bei Jesus Christus im Allerheiligsten Altarsakrament, wenn es eure Pflichten erlauben. Am Fuß des Altars betet es sich besonders gut. Bei allen euren Besuchen bei unserem Erlöser, opfert häufig sein kostbares Blut dem ewigen Vater auf. Ihr werdet diese Besuche sehr förderlich erleben, um eure göttliche Liebe zu stärken.

Hl. Margareta Maria Alacoque (1647-1680),

eine Heimsuchungsschwester, fand vor dem Allerheiligsten Altarsakrament die Kraft, die sie brauchte um zu ertragen, was Zeugen bei ihrem Seligsprechungsprozess schilderten:

    Versuchungen, Verleumdungen, Zurückweisungen, Schmähungen, Vorwürfe ohne Widerspruch und betend für jene, die ihr diese Dinge zugefügt haben.

Hl. Alfons Maria von Liguori (1696-1787)

Patron der Beichtväter, schrieb ein ganzes Buch über die Besuche beim Allerheiligsten Altarsakrament. Er rät:

    Ziehe dich zurück von den Leuten und verbringe wenigstens eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde in irgendeiner Kirche in der Gegenwart des Allerheiligsten Altarsakramentes. Koste und sieh, wie gut der Herr ist, und du wirst lernen aus deiner eigenen Erfahrung, wie viele Gnaden es dir bringen wird.

Hl. Johannes Maria Vianney, Pfarrer von Ars (1786-1859)

empfahl seinen Leuten:

    Unser Herr ist verborgen hier im Tabernakel, er warten auf uns, bis wir kommen und ihn besuchen, und ihm unsere Bitten bringen... Im Himmel, wo wir einmal glorreich und im Triumphe sind, werden wir ihn in all seiner Herrlichkeit sehen. Wenn er sich selbst jetzt vor uns in dieser Herrlichkeit zeigen würde, würden wir nicht zögern, zu ihm zu kommen; aber er verbirgt sich wie jemand im Gefängnis, der zu uns sagt: “Du siehst mich zwar nicht, aber das macht nichts. Erbitte von mir alles, was du willst, und ich werde es dir gewähren.” Der Pfarrer von Ars verbrachte die meisten seiner langen Gebetsstunden vor dem Allerheiligsten Altarsakrament. Während seiner Predigten, wendete er sich oft zum Tabernakel und sagte mit tiefer Bewegung: “Er ist da!”

Die Litanei der Zeugen für die Macht der Realpräsenz schreitet voran. Zur Zeit des ersten internationalen eucharistischen Kongresses 1881 gab es für das Lehramt der Kirche mehr als ausreichende Klarheit, ausgiebig über diesen Sachverhalt zu sprechen.

Das Lehramt der Kirche

Dass die internationalen eucharistischen Kongresse eingeführt wurden, war keine Folge der Erfahrungen der Gläubigen. Wie schon oben erwähnt, war es eine Frau, Marie-Marthe Tamisier, deren persönliches Wissen um die geistliche Kraft, die von der Realpräsenz kommt, die Vorsehung benützte, um den ersten internationalen eucharistischen Kongress in Lille in Frankreich zustande zu bringen.

Im päpstlichen Brief, den Leo XIII. an die Kongressbesucher richtete, sprach er von einer “großen Freude”, die er hat, die Bischöfe zu loben, welche die Versammlung organisierten. Er bestätigte die Absicht des Kongresses, namentlich “die Beleidigungen zu sühnen, die dem Allerheiligsten Altarsakrament zugefügt wurden und seine Verehrung zu fördern.” Er lobte die Gläubigen für “die große Ausdehnung des Werkes der Nachtanbetung” und für den Bericht darüber, wie diese heilvolle Einrichtung Wurzel geschlagen hat, sich überall ausbreitet und Frucht bringt.”

Die Hauptbedeutung nach Papst Leo liegt darin, dass eucharistische Anbetung übernatürliche Früchte bringt, wo immer diese Übung genährt wird vom Glauben der Menschen.

Die Verehrung der Realpräsenz des Hl. Pius X. war nach seinen Biographen im Herzen seiner historischen Förderung der frühen und häufigen Heiligen Kommunion. Am Tage seiner Heiligsprechung bezeichnete Papst Pius XII. die Quelle des apostolischen Antriebes seines Vorgängers:

    In der tiefen Vision, die Papst Pius X. hatte von der Kirche als einer Gesellschaft, erkannte er, dass es das Allerheiligste Altarsakrament ist, das die Kraft hat, ihr inneres Leben wesentlich zu nähren und sie hoch über alle anderen menschlichen Gesellschaften zu erheben (Quest‘ ora difulgente, 29. Mai 1954).

Die Veröffentlichung seines Dekretes über die häufige, ja tägliche Kommunion (20. Dezember 1905) vorwegnehmend, bat Pius X., den internationalen Eucharistischen Kongress dieses Jahres in Rom abzuhalten. Es war der sechzehnte in Folge und der erste in der ewigen Stadt. Der Papst eröffnete den Kongress mit einer Messe, die er selbst zelebrierte. Auch nahm er bei der anschließenden Prozession mit dem Allerheiligsten Altarsakrament teil.

Papst Benedikt XV. und Pius XI. führten die päpstliche Tradition weiter, zur Anbetung der Heiligen Eucharistie zu ermutigen, ebenso wie zu Sühnegebeten und Bitten vor unserem Herrn im Allerheiligsten Altarsakrament.

Es war Benedikt XV., der im Jahre 1917 den ersten Kodex des kanonischen Rechts herausgab, der die Aufbewahrung des Allerheiligsten Altarsakrament in “jeder Pfarr- oder Quasi-Pfarrkirche und in den Kirchen, die verbunden sind mit den Wohnungen von exempten Männer- und Frauenorden” rechtlich regelte (can. 1265 §1). Es war derselbe Kodex, der zur privaten und öffentlichen Aussetzung der heiligen Eucharistie ermutigte.

Papst Pius XI. setzte die Verehrung Christi im Allerheiligsten Altarsakrament mit der Sühne für die Sünden in Beziehung. Die Hl. Margareta Maria Alacoque wurde im Jahre 1920 heilig gesprochen, genau zwei Jahre vor Achille Ratti zu Papst gewählt worden war. Im Jahre 1928 schrieb er eine längere Enzyklika über die Wiedergutmachung gegenüber dem Heiligsten Herzen Jesu. Das ganze Thema dieser Enzyklika ist die riesige Notwendigkeit, um Gottes Barmherzigkeit zu flehen, besonders durch die Heilige Eucharistie. Während ihrer Gebete vor dem Allerheiligsten Altarsakrament offenbarte Christus der hl. Margareta Maria “die Unendlichkeit seiner Liebe, und zugleich, in der Art eines Trauernden.” Der Herr sagt:

    Siehe dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat und sie mit allen Gütern beschenkt hat, und für diese grenzenlose Liebe, die keine andere Erwiderung erfährt als Ablehnung und Unverschämtheit, und dies sogar oftmals von denen, die sich zu einer besonderen Liebe verpflichtet haben.

Unter den Wegen, dem Herzen Jesu gegenüber Wiedergutmachung zu leisten, drängte der Papst die Gläubigen zu “Sühnebitten und -gebeten über eine ganze Stunde, was richtig Heilige Stunde genannt wird” (Miserentissimus Redemptor, 8. Mai 1928). Es wurde als selbstverständlich verstanden, dass die heilige Stunde auch gemäß der ursprünglichen Botschaft der Hl. Margareta Maria vor der Heiligen Eucharistie zu halten ist.

Papst Pius XII.

Mit dem Nachfolger Pius XI beginnt ein neues Stadium in der Lehre der Kirche über die Wirkungen des Gebetes, das an Christus gerichtet ist, der wirklich gegenwärtig ist im Altarsakrament.

Ein Jahr vor seiner Wahl auf den Stuhl des Heiligen Petrus wurde Kardinal Pacelli als päpstlicher Legat zum internationalen eucharistischen Kongress nach Budapest in Ungarn gesandt. Es war das Jahr 1938, ein Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Das Thema von Pacellis Ansprache auf dem Kongress war, dass Christus diese Erde bei seiner Himmelfahrt in sichtbarer Form wirklich verlassen hat. Aber er ist nachdrücklich immer noch auf der Erde, der Jesus der Geschichte, im Sakrament seiner Liebe.

Pius XII veröffentlichte einundvierzig Enzykliken während seines fast zwanzigjährigen Pontifikates. Eine der Merkmale dieser Dokumente ist ihre Reflexion über die Lehrentwicklung, die sich in der katholischen Kirche in der Neuzeit ereignet hat. Hier die Entwicklungen:

  • Im Verständnis der Kirche über ihr eigenes Wesen als mystischer Leib Christi (Mystici Corporis Christi, 1943);
  • In ihrem Verständnis der Bibel (Divino Afflante Spiritu, 1943);
  • In ihrem Verständnis der allerseligsten Jungfrau (Deiparae Virginis Mariae, 1946), in der die Definition der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel vorweggenommen wird.

Die Enzyklika Mediator Dei (1947) handelte von der heiligen Liturgie. Wie spätere Ereignisse zeigten, wurde es zu einer lehrmäßigen Vorlage für die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Neun volle Abschnitte von Mediator Dei handeln von der “Anbetung der Eucharistie.” Diese enthalten die mit der höchsten Autorität ausgestattete Erklärung dessen, was der Papst als “Verehrung der Eucharistie,” beschreibt, die “schrittweise sich als etwas selbständiges entwickelt hat vom Opfer der Messe.”

Es scheint das Beste zu sein kurz aus diesen Abschnitten zu zitieren und einige kommentierende Anmerkungen anzufügen.

1. Die Anbetung der Eucharistie.

Die Grundlage für alle eucharistische Verehrung ist das Faktum, dass Christus im Allerheiligsten Altarsakrament der Sohn Gottes ist in menschlicher Gestalt.

Die eucharistische Speise enthält, wie alle sich bewusst sind, “wahrhaftig, wirklich und wesentlich den Leib und das Blut gemeinsam mit der Seele und der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus.” Es ist kein Wunder daher, dass die Kirche schon von Anfang an den Leib Christi unter der Erscheinungsweise des Brotes angebetet hat; das wird offensichtlich durch die besonderen Riten des erhabenen Opfers, die beschreiben, dass die geweihten Diener das Allerheiligste Altarsakrament anbeten sollen durch Kniebeugen oder tiefe Verneigungen.

Die Heiligen Konzilien lehren, dass es Glaube der Kirche ist von allem Anfang an, “mit der selben Anbetung ebenso das fleischgewordene Wort wie auch sein eigenes Fleisch” anzubeten, und der Hl. Augustinus erklärt:

    “Niemand isst das Fleisch, ohne es zuerst anzubeten,” wobei er hinzufügt, dass “wir nicht nur keine Sünde begehen, wenn wir es anbeten, sondern dass wir sündigen, wenn wir es nicht anbeten” (Mediator Dei, §§129-130).

Alles andere hängt an diesem Grundartikel des Glaubens: dass die Eucharistie den lebendigen Christus enthält, in der ganzen Fülle seiner menschlichen Natur und er deshalb wirklich gegenwärtig ist unter den geweihten Gestalten; und ebenso in der Fülle seiner göttlichen Natur und deshalb angebetet werden muss als Gott.

2. Der Fortschritt in der Lehre

In jedem Aspekt des Geheimnisses der Hl. Eucharistie hat es ein tieferes Verständnis durch die Kirche gegeben. Aber Aspekt der besonderen Beachtung verdient, ist das wachsende Verständnis nicht nur von Christi aufopfernder Hingabe in der Messe, sondern auch von seiner gnadenvollen Gegenwart außerhalb der Messe.

    Entstanden aus diesen Lehrgrundsätzen, hat sich der eucharistische Anbetungskult, der von der heiligen Opferfeier zu unterscheiden ist, nach und nach entwickelt. Die Aufbewahrung der heiligen Gestalten für die Kranken und alle jene, die in Todesgefahr geraten können, führte zum löblichen Brauche, dieses himmlische, in den Kirchen aufbewahrte Brot anzubeten. Dieser Kult der Anbetung beruht auf einem starken und festen Grunde. Die Eucharistie ist ja sowohl Opfer wie auch Sakrament und unterscheidet sich von den anderen Sakramenten dadurch, daß sie nicht bloß die Gnade mitteilt, sondern den Urheber der Gnade selbst in fortdauernder Weise enthält. Wenn uns also die Kirche gebietet, den unter den Schleiern der Eucharistie verborgenen Christus anzubeten und von ihm jene himmlischen und irdischen Gaben zu erbitten, deren wir unaufhörlich bedürfen, so bringt sie damit den lebendigen Glauben zum Ausdruck, kraft dessen sie ihren göttlichen Bräutigam unter diesen Schleiern gegenwärtig weiß, ihm ihre Dankbarkeit bezeugt und sich der innigsten Vertrautheit mit ihm erfreut. (131)

Der Schlüssel um einzusehen, warum es einen eucharistischen Kult geben soll neben der messe ist, dass die Eucharistie Jesus Christus ist. Nicht weniger wie seine Zeitgenossen in Palästina ihn angebetet und angerufen haben für die Gunsterweise, die sie brauchten, so sollen auch wir ihn preisen und ihm danken und erflehen, was wir brauchen.

3. Die Entwicklung der Verehrung

Als Konsequenz dieses wertvollen Fortschrittes in der Lehre hat die Kirche eine Vielzahl von eucharistischen Verehrungsformen entwickelt.

    Im Laufe der Zeit hat die Kirche verschiedene, gewiß immer schönere und heilbringendere Formen eingeführt, so z. B. fromme und tägliche Besuchungen beim heiligen Tabernakel, den rituellen Segen mit dem heiligsten Sakrament, feierliche Prozessionen durch Städte und Dörfer, besonders anläßlich der eucharistischen Kongresse, und die Anbetung vor dem öffentlich ausgesetzten Allerheiligsten. Diese öffentliche Anbetung erstreckt sich zuweilen auf kurze Zeit, manchmal ist sie auf Stunden und auch auf vierzig Stunden ausgedehnt; mancherorts wird sie abwechselnd in den einzelnen Kirchen das ganze Jahr hindurch fortgesetzt, anderswo bei Tag und auch bei Nacht (132)

Unterstichen werden soll, dass dieses nicht nur vorübergehende Verehrungspraktiken sind. Sie sind gegründet auf die göttlich geoffenbarte Wahrheit. Und, wie der Papst sich bemüht zu betonen, “brachten diese Frömmigkeitsübungen ein wunderbares Wachstum im Glauben und im übernatürliche Leben der kämpfenden Kirche auf der Erde.

Sind diese Frömmigkeitsübungen liturgisch? “Sie entstammen dem Geiste der heiligen Liturgie,” antwortet Pius XII.,

    und tragen zweifellos sehr viel bei zum liturgischen Leben, sofern sie mit gebührender Würde und in jener Gesinnung des Glaubens und der Frömmigkeit gehalten werden, wie sie die heiligen Riten und Vorschriften der Kirche fordern.

Vermischt dies aber nicht den “historischen Christus” mit dem eucharistischen Christus? Überhaupt nicht, sagt der Papst.

    Man muß im Gegenteil betonen, daß auf diese Weise die Christen den Glauben der Kirche bezeugen und feierlich bekennen, wonach das göttliche Wort und der Sohn der Jungfrau Maria, der am Kreuz gelitten hat, der in der Eucharistie verborgen gegenwärtig ist und der im Himmel droben herrscht, ein und derselbe Christus ist. So sagt der heilige Johannes Chrysostomus: “Wenn du dies (den Leib Christi) dir vorgestellt siehst, so sag zu dir selbst: Diesem Leibe verdanke ich es, daß ich nicht mehr Erde und Asche bin, nicht mehr gefangen, sondern frei; um dessentwillen hoffe ich, den Himmel und die dort mir hinterlegten Güter zu erlangen, nämlich das unsterbliche Leben, das Lob der Engel, den Umgang mit Christus” (134)

Unter anderen Formen der eucharistischen Verehrung die von Papst Pius XII. empfohlen werden, macht er besonders auf den Segen mit dem Allerheiligsten aufmerksam. Er spricht vom

    Es ist ein herrlicher und segensreicher Brauch, daß der Priester, während die Menge der Christen sich tief verneigt, das Brot der Engel zum Himmel hebt, nach der Vorschrift ein Kreuz zeichnet und dabei den himmlischen Vater anfleht, er möge gnädig niederschauen auf seinen aus Liebe zu uns gekreuzigten Sohn und um seinetwillen und durch ihn, der unser Erlöser und Bruder werden wollte, seine himmlischen Gaben auf jene herabströmen lassen, die das makellose Blut des Lammes erlöst hat (135).

Papst Johannes XXIII.

Johannes XXIII. Veröffentlichte kein größeres Dokument über die eucharistische Liturgie wie sein Vorgänger. Aber er nutzte jede Gelegenheit, die Gläubigen und besonders die Priester zu drängen, vor dem Allerheiligsten Altarsakrament zu beten.

Nichts kann im Leben eines Priesters das stille und ausdauernde Gebet vor dem Altar ersetzen. Die Anbetung Jesu, unseres Gottes; Danksagung, Wiedergutmachung für unsere Sünden und für die Sünden aller Menschen, das Gebet für so viele Anliegen, die ihm anvertraut wurden, verbinden sich, um diesen Priester in größere Liebe zum göttlichen Meister zu erheben, dem er Treue versprochen hat, und zu den Menschen, die von seinem priesterlichen Dienst abhängen.

    Mit der Übung dieser einleuchtenden und inbrünstigen Verehrung der Eucharistie wächst das geistliche Leben des Priesters und wird er mit der missionarischen Kraft der größten Apostel ausgestattet.

Immer wenn er Priester ermahnte, vor dem Altar zu beten, erinnerte der Papst sie daran, dass “das eucharistische Gebet im vollen Sinn das heilige Opfer in der Messe ist” (Enzyklika Sacerdotii Nostri Primordia, 11. August 1959). Ohne Messe gibt es keine Realpräsenz. Wir könnten sagen, dass die bleibende Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie eine Verlängerung des eucharistischen Opfers ist.

Am Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils nahm Papst Johannes an der Fronleichnamsprozession mit dem Allerheiligsten Altarsakrament in Rom teil. Bei dieser Gelegenheit verfasste er ein ehrliches Gebet um den Segen Christi für das kommende Konzil.

    O Jesus, schau auf uns von deinem Sakrament aus wie der gute Hirte, wie der doctor angelicus dich angerufen hat, und mit ihm die heilige Kirche. O Jesus, du guter Hirt, dies ist deine Herde, die Herde, die du gesammelt hast von den Enden der Erde, die Herde, die dein Wort des Lebens hört und zu bewahren, zu leben und zu verkünden versucht. Dies ist die Herde, die dir in Schwachheit folgt, o Jesus, und beim Ökumenischen Konzil so brennend den Wiederstrahl deines liebenden Angesichts in der Gestalt deiner Kirche zu sehen wünscht, der Mutter von allen, der Mutter, die ihre Arme und ihr Herz für alle öffnet und hier zitternd und vertrauensvoll die Ankunft aller ihrer Bischöfe erwartet (21. Juni 1962).

Worte können nicht klarer sein. Sie können auch nicht mit mehr Autorität gesprochen werden. Der Stellvertreter Christi hat gelehrt, z. B. wie wirkungsvoll das Gebet zu unserem Herrn in der Eucharistie sein kann nicht nur für uns selbst, sondern für die ganze Kirche Gottes.

Papst Paul VI.

Obwohl Papst Johannes XXIII das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet hat und die erste Session des Konzils im Jahre 1962 ganz erlebt hat, promulgierte er keines seiner sechzehn Dokumente. Das geschah durch seinen Nachfolger, Papst Paul VI.

Das erste Konzilsdokument, das Paul VI herausgab, war die Konstitution über die Heilige Liturgie (4. Dezember 1963). Weniger als zwei Jahre später, kurz vor der letzten Session des Konzils, veröffentlichte er die Enzyklika Mysterium Fidei (3. September 1965). Es ist ein bemerkenswertes Dokument in verschiedenerlei Hinsicht.

  • Es wurde herausgegeben während des Zweiten Vatikanischen Konzils.
  • Es beginnt mit großer Hochachtung gegenüber der Konzilskonstitution über die Liturgie.
  • Es lobt jene, die “versuchen, die Lehre von der Heiligen Eucharistie tiefer zu erforschen und fruchtbarer zu verstehen.”
  • Dann aber fährt es fort “Gründe pastoraler Sorge und Beunruhigung” zu benennen. Dabei verweist Paul VI. auf Meinungen, die verbreitet werden, welche “Lehraussagen” neu interpretieren, “welche die Kirche schon fest definiert hat,” und insbesondere “das Dogma der Wesensverwandlung.” (I)

Der Großteil der Enzyklika ist daher eine lehrmäßige Analyse der Realpräsenz. In jeder Hinsicht ist dies die ausführlichste und durchdringenste Erklärung in der Papstgeschichte zu zwei Artikeln des katholischen Glaubens: Die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Allerheiligsten Altarsakrament und seine Gnadenvermittlung durch die eucharistische Gegenwart jetzt auf der Erde.

1. Die Realpräsenz

Damit wir die sakramentale Gegenwart Christi in der Eucharistie verstehen, welches “das größte aller Wunder in ihrer Art bewirkt, müssen wir mit aufnahmebereitem Geist die Stimme der lehrenden und betenden Kirche hören.” Was sagt uns die Lehre und Frömmigkeit der Kirche?

    Nun sagt uns diese Stimme, Echo der Stimme Christi, daß Christus in diesem Sakrament nicht anders gegenwärtig wird als durch die Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in seinen Leib und der ganzen Substanz des Weines in sein Blut, eine ganz wunderbare und einzigartige Verwandlung, die die katholische Kirche passend und im eigentlichen Sinn Wesensverwandlung nennt. Nach der Wesensverwandlung bekommen die Gestalten des Brotes und Weines ohne Zweifel eine neue Bedeutung und einen neuen Zweck, da sie nicht fürderhin gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Trank sind, sondern Zeichen einer heiligen Sache und Zeichen geistlicher Speise, aber sie bekommen eine neue Bedeutung und einen neuen Zweck, weil sie eine neue “Wirklichkeit” oder Realität enthalten, die wir mit Recht ontologisch nennen, denn unter den vorhin genannten Gestalten ist nicht mehr das verborgen, was vorher war, sondern etwas ganz Neues; und zwar nicht nur auf Grund des Urteils des Glaubens der Kirche, sondern durch die objektive Realität, da nach der Verwandlung der Substanz oder des Wesens des Brotes und Weines in den Leib und das Blut Christi von Brot und Wein nichts bleibt als die Gestalten, unter denen der ganze und vollständige Christus in seiner physischen, ja auch körperlichen “Realität” gegenwärtig ist. (V).

Natürlich übersteigt diese Gegenwart unser Verstehen. Natürlich unterscheidet sie sich von der Art, in der Körper natürlicherweise gegenwärtig sind und daher mit den Sinnen erkannt werden können. Subjektiv können wir den Leib Christi in der Eucharistie nicht sehen oder berühren. Aber objektiv (in Wirklichkeit) und ontologisch (seinem Wesen nach) ist er da.

2. Gnadenvermittlung

Wenn die Realpräsenz einmal eindeutig erkannt ist, ist es nur logisch daraus zu schließen, dass wir den Erlöser im Allerheiligsten Altarsakrament auch anbeten sollen. Es ist gleichermaßen logisch von ihm zu erwarten, dass er durch seine Gegenwart viel Segen auf unsere sündige Welt herabsenden wird. Drei Stellen in Mysterium Fidei machen diese Schlussfolgerung völlig klar.

In der ersten Aussage erinnert Papst Paul an die Lehre des Hl. Kyrill von Alexandrien (gestorben 444), der sehr engagiert war bei der Verteidigung der physischen Einheit der Menschheit Christi in der Inkarnation ebenso wie in der Eucharistie. Der Grund dafür ist, dass die Eucharistie eben der Mensch gewordene Sohn Gottes ist, welcher der Sohn Mariens wurde und bleibt.

    Der heilige Cyrill von Alexandrien weist die Auffassung jener, die meinten, die heilige Eucharistie werde für die Heiligung wertlos, wenn das, was von ihr übrigbleibe, für den nächsten Tag aufbewahrt werde, als Unsinn zurück. “Denn”, so sagt er, “es ändert sich weder Christus, noch geht mit seinem Leibe eine Änderung vor sich; sondern es bleiben die Kraft, die Macht und die lebenspendende Gnade der Segnung in ihm dauernd fortbestehen” (VI).

Wenn einmal die Elemente von Brot und Wein konsekriert worden sind und die Wesensverwandlung sich damit ereignet hat, bleibt der lebendige Christus so lange gegenwärtig, wie die Gestalt andauert. Dann aber, weil Christus gegenwärtig ist, bleibt auch seine Menschheit eine Quelle der Leben spendenden Gnade.

In seiner zweiten Aussage über die Eucharistie als einem Kanal der Gnade, unterscheidet Papst Paul sorgfältig zwischen der Eucharistie als Opfer und Kommunion und der Eucharistie als Gegenwart.

    Denn nicht nur zur Zeit, da das Opfer dargebracht und das Sakrament vollzogen wird, sondern auch nach der Darbringung des Opfers und nach Vollzug des Sakramentes, wenn die heilige Eucharistie in den Kirchen oder in Oratorien aufbewahrt wird, ist Christus der wahre Emanuel, d. h. der “Gott mit uns”. Tag und Nacht weilt er in unserer Mitte und wohnt in uns voll der Gnade und Wahrheit (vgl. Joh. 1, 14). Er formt unser sittliches Verhalten, er entfaltet die Tugend, tröstet die Trauernden und stärkt die Schwachen (VI).

Diese Verben: formen, entfalten, trösten und stärken sind alle Formen der göttlichen Gnade, die Christus vermittelt durch seine Gegenwart in der Eucharistie.

In seiner dritten Aussage über die Wirksamkeit der Realpräsenz fügt Paul VI. die Krönung zu seiner Lehre an. Kein Zweifel, der lebendige Erlöser ist im Allerheiligsten Altarsakrament da “voll der Gnade und Wahrheit.” Aber es muss auch auf unserer Seite ein antwortender Glaube vorhanden sein.

    Jeder, der eine besondere Andacht zur heiligen Eucharistie hat und sich bemüht, die unendliche Liebe Christi zu uns vorbehaltlos und großmütig zu erwidern, erfährt daher und erfaßt zutiefst mit großer innerer Freude und Frucht, welchen hohen Wert ein Leben hat, das mit Christus in Gott verborgen ist (vgl. Kol 3, 3), und was es bedeutet, mit Christus eine Zwiesprache zu pflegen, die hier auf Erden das Beglückendste und das Wirksamste auf dem Wege zur Heiligkeit ist.

Das entscheidende Wort in diesem letzten Satz ist “das Wirksamste.” Nähern wir und der Realpräsenz ausgerüstet mit gläubiger Liebe, wird Christus Wunder seiner Liebe in unserem Leben wirken.

Papst Johannes Paul II.

Aufbauend auf der Lehre seiner Vorgänger, wurde Johannes Paul II. bekannt als der Papst der Realpräsenz. In einem Dokument und Schreiben nach dem andern hat er wiederholt, was der Wiederholung bedarf zum Zwecke der Betonung:

    Die Eucharistie, in der Messe und außerhalb der Messe, ist der Leib und das Blut Jesu Christi und verdient daher die selbe Verehrung, die dem lebendigem Gott gebührt, und zwar ihm allein (Eröffnungsansprache in Irland, Phönix Park, 29. September 1979).

Der Papst aber hat noch mehr getan als nur zu wiederholen, was schon zuvor gesagt worden war. Er legte den Eckstein des Lehramtes auf die eucharistische Lehre, die wir vorher untersucht haben, wenn er z.B. in unzweideutiger Sprache erklärt, dass es nur ein Sakrament der Eucharistie gibt. Und gerade dieses eine Sakrament vermittelt Gnaden in unterschiedlichster Weise. Jede Art der Gnadenvermittlung ist verbunden mit den drei Formen, in denen die Eucharistie durch Christus eingesetzt worden ist.

    Es ist zu ein und der selben Zeit ein Opfer-Sakrament, ein Kommunion-Sakrament und ein Gegenwart-Sakrament (Enzyklika Redemptor Hominis, 4. März 1979, 20)

Die geoffenbarte Grundlage für diese Schlussfolgerung ist die Tatsache der bleibenden Gegenwart Christi in der Eucharistie. Es ist der “Erlöser der Menschen”, der mit seinem Leiden und Sterben am Kreuz die Gnade unserer Erlösung verdient. Aber es geschieht hauptsächlich durch die Eucharistie, dass der selbe Jesus Christus jetzt diese Gnade über eine sündige Menschheit ausgießt.

Es ist in diesem umfassenden Sinn, in dem wir sagen können, “die Kirche lebt durch die Eucharistie, durch die Fülle dieses Sakramentes.” Diese Fülle erstreckt sich auf alle drei Ebenen seiner sakramentalen Existenz, wobei die Kirche mit dem Begriff “Sakrament” ein sichtbares Zeichen meint, das eingesetzt durch Christus der Seele unsichtbare Gnade und innere Heiligkeit vermittelt.

Die Messe ist das Opfer-Sakrament der Eucharistie. Wie das Konzil von Trient erklärt hat, ist das Messopfer nicht nur ein Lob- und Dankopfer. Es ist ebenso eine Quelle der Gnade:

    Durch dieses Opfer ist der Herr besänftigt. Er gewährt Gnade und die Gabe der Reue und er vergibt Fehler und Sünden. Die Segnungen der Erlösung, die Christus für uns erworben hat durch seinen blutigen Tod auf Golgota, werden jetzt durch dieses unblutige Opfer in Überfülle empfangen (17. September 1562).

Die heilige Kommunion ist das Kommunion-Sakrament der Eucharistie. Wie dasselbe Konzil von Trient definiert, wird Christus gegenwärtig in der Eucharistie nicht nur geistlich gegessen, sondern wirklich und sakramental. Wir empfangen tatsächlich seinen Leib und sein Blut und werden wahrhaft genährt von seiner Gnade. Es war der Wille Christi, “dass dieses Sakrament empfangen wird als geistliche Nahrung der Seele, um jene zu stärken und aufzuerbauen, die mit ihm leben.” Sie soll zudem “ein Heilmittel sein, um uns von unseren täglichen Unvollkommenheiten zu befreien und uns vor der Todsünde zu bewahren” (11. Oktober 1551).

Die Realpräsenz ist das Gegenwart-Sakrament der Eucharistie. Wie das? Die Realpräsenz ist ein Sakrament in jeder Hinsicht, weil die Menschheit Christi ein Gnadenkanal für alle ist, die glauben, dass der Sohn Gottes zu unserem Heil Mensch geworden ist.

Die Gnade der Menschheit Christi

Das grundlegende Thema der kirchlichen eucharistischen Lehre ist die Tatsache der

    tröstenden Gegenwart Christi im Allerheiligsten Altarsakrament. Seine Realpräsenz im vollsten Sinn; die wesentliche Gegenwart, durch die der ganze und volle Christus, Gott und Mensch, gegenwärtig ist (Papst Johannes Paul II., 29. September 1979)

Wenn diese Glaubenstatsache anerkannt wird, ist es nicht schwer zu verstehen, warum das Gebet vor dem Allerheiligsten Altarsakrament so wirkungsvoll ist. Wahrlich es erklärt warum die Katholiken ohne weiteres die Realpräsenz einfach als das Allerheiligste Altarsakrament bezeichneten. Es ist ein Sakrament, oder besser, es ist das einzige Sakrament, das nicht nur Gnade vermittelt, sondern die eigentliche Gnadenquelle enthält, nämlich Jesus Christus selbst.

Wenn wir die Evangelien lesen, sind wir überwältigt durch die wunderbare Macht, welche der Menschheit Christi zu Eigen ist, wen sie Veränderungen bewirkt bei Menschen, die mit ihm in Berührung kommen. Schon im Leib seiner Mutter heiligte er den ungeborenen Johannes den Täufer in dem Moment, in dem Elisabet die Stimme Marias hörte. In Kana in Galiläa sagt Jesus auf die Bitte seiner Mutter hin zu den Dienern, “Füllt diese Krüge mit Wasser.” Als der, der für das Festmahl verantwortlich war, das Wasser versuchte, war es zu Wein geworden.”

Jesus hat mit menschlichen Lippen gesprochen, als er die Bergpredigt verkündete, als er die Gleichnisse lehrte, den Sündern vergab, die Pharisäer zurechtwies, wenn er sein Leiden vorhersagte und seinen Jüngern auftrug, ihr Kreuz zu tragen. Jesus berührte den Blinden mit menschlichen Händen und heilte den Aussätzigen durch ein Wort seiner menschlichen Stimme. Bei einer Gelegenheit berührte eine kranke Frau den Saum seines Gewandes. “Im selben Augenblick”, sagt der Hl. Markus, “fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?” Die Frau war sofort geheilt. Bezeichnenderweise sagt Jesus zu ihr, “dein Glaube hat dir geholfen.”

Während seines gesamten öffentlichen Dienstes war die Menschheit Christi das Mittel, durch das er den Verstand seiner Hörer erleuchtet, die göttliche Freundschaft ihrer Seelen erneuert, ihre behinderten und kranken Körper geheilt und ihnen Gottes ewigen Frieden verheißen hat. Das ist es was der Hl. Johannes meint, wenn er im Prolog seines Evangeliums sagt: “Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.” Warum? Weil Christus der eingeborene Sohn Gottes Fleisch geworden ist und nicht nur unter uns gelebt hat, sondern fortfährt in unserer Mitte zu leben in der Eucharistie.

Um von diesen Quellen der unendlichen Weisheit und Kraft zu leben, die uns in der Eucharistie verfügbar sind, müssen wir glauben. In den Worten des Adoro Te können wir sagen:

    Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an;
    er ist selbst die Wahrheit die nicht trügen kann.
    Einst am Kreuz verhüllte sich der Gottheit Glanz,
    hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz.
    Beide sieht mein Glaube in dem Brote hier.

Wer das zu Christus in der Eucharistie sagen kann, wird aus Erfahrung lernen, was die Kirche meint, wenn sie uns sagt, dass die Realpräsenz ein Sakrament ist. Es ist derselbe Erlöser, der unsere menschliche Natur angenommen hat, um für uns auf Golgota zu sterben und der jetzt durch dieselbe jetzt verherrlichte Menschheit die Segnungen des Heils verteilt.

Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Hesse


Kurze Geschichte der ewigen Anbetung in Türkheim

Sechs Jahre tägliche Anbetung

Schon seit 1993 hatten wir in unserer Pfarrgemeinde begonnen, täglich eine Stunde zumeist am Abend zwischen 17.00 und 18.00 Uhr Anbetung vor Jesus im Allerheiligsten Sakrament zu halten. Zudem gibt es in unserer Pfarrei schon seit 325 Jahren eine Corpus-Christi-Bruderschaft, die eigens zur ewigen Anbetung gegründet wurde und wenigstens einmal im Jahr eine längere Anbetungszeit gehalten hat. Auch wird in unserer Gemeinde schon seit über 60 Jahren täglich der Rosenkranz gebetet, viele dieser Beter beteiligten sich über all die Jahre hinweg auch in Treue an der täglichen stillen Anbetungsstunde.

Anbetung im Internet

Schon während meines Studiums hörte ich beiläufig einmal von einer Gemeinschaft, die Tag und Nacht sieben Tage in der Woche Anbetung hält und bei der so immer jemand da ist, der für die anderen betet. Für mich selbst war die stille ewige Anbetung damals bereits zur wichtigsten geistlichen Erfahrung meines Lebens geworden. In ihr habe ich gelernt, mit Jesus ganz persönlich zu sprechen und seinen Willen zu erkennen.

Im Jahre 1997 bin ich beim Surfen im Internet auf den Gedanken gekommen, das Netz nach dem Begriff “ewige Anbetung” bzw. “perpetual Adoration” zu durchsuchen. Voller Überraschung fand ich dabei das Projekt “Ewige Anbetung in der Pfarrgemeinde”, das auf einer amerikanischen Webseite ausführlich dargestellt war. Tief berührt im Herzen las ich davon, dass bereits ca. 1000 Pfarreien vor allem in Nordamerika und auf den Philippinen begonnen hatten, Jesus im Allerheiligsten Sakrament rund um die Uhr anzubeten. Ich druckte mir die Seiten aus, legte sie aber dann in meiner Registratur ab, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass so etwas unter deutschen pastoralen Verhältnissen möglich ist. Trotzdem ließ mich auch in den folgenden Monaten dieser Gedanke nicht mehr los.

Die Dinge nehmen ihren Lauf

Bei einer Begegnung mit meinem Bischof Viktor Josef Dammertz am 20. Oktober 1998 erzählte ich ihm davon und erbat seinen Rat. Er ermutigte mich sehr, es doch zu versuchen. Nach einer weiteren Zeit des Zögerns entschloss ich mich am 25. Januar 1999, an die Adresse in Amerika zu schreiben, die mir aus dem Internet bekannt war und bat um weitere Informationen.

P. Viktor Warkulwiz, Missionar vom Allerheiligsten Sakrament, rief am 2. Februar 1999 von Amerika an und erklärte mir dabei sofort, er werde nach Deutschland kommen und uns helfen, mit der ewigen Anbetung zu beginnen. Auch wenn mir das alles etwas zu schnell ging, konnte ich dieses Angebot nicht ablehnen. Bislang hatte ich aber noch niemand in meiner Gemeinde etwas gesagt. Insbesondere der Pfarrgemeinderat und die wichtigsten Mitarbeiter sollten einem solch einschneidenden Vorhaben gegenüber schon positiv eingestellt sein.

Jetzt überstürzten sich die Ereignisse. Der Besuch von P. Viktor wurde auf den 4. Juli 1999 festgesetzt, das Fest unseres Diözesanpatrones, des Hl. Ulrich. Bis dahin mussten noch zahlreiche Hürden genommen werden, nicht zuletzt waren meine eigene Zweifel zu überwinden, ob dieses Vorhaben wenigstens eine geringe Aussicht auf Erfolg haben könnte und vor allem ob es wirklich der Wille Gottes war.

So stellte ich Jesus drei Bedingungen, die mir als klare Zeichen für seine Pläne dienen sollten:

    1. Meine Mitarbeiter dürfen sich nicht negativ zu diesem Projekt stellen.

    2. Der Pfarrgemeinderat darf keine größeren Einwände dagegen haben.

    3. Mindestens 12 Gläubige, die bisher noch nicht regelmäßig bei unserer täglichen Anbetung dabei waren müssen ihre Bereitschaft zur Mithilfe erklären.

Jesus hat alle Bedingungen binnen kurzer Zeit erfüllt.

Ein Sonntag - 100 Anbeter

P. Viktor kam also im Juli zu uns und predigte an dem besagten Sonntag in allen Gottesdiensten, d. h. eigentlich habe ich nur die deutsche Übersetzung seiner englischen Predigt in der Hl. Messe vorgelesen. Während der Predigt wurden Zettel ausgeteilt, auf denen man sich für eine Anbetungsstunde eintragen konnte. Nach der Kommunion wurden diese Zettel dann wieder eingesammelt.

Auf diese Weise fanden wir bei einem Gottesdienstbesuch von ca. 700 Gläubigen 100 Anbeter, die bereit waren, eine Stunde pro Woche zu übernehmen. Preist den Herrn. Es kam uns allen wie ein Wunder vor. Doch nachdem die Woche aber 178 Stunden hat, war das noch bedeutend zu wenig. Da aber die ewige Anbetung erst am 19. September 1999 beginnen sollte, blieb uns noch etwas Zeit, auch noch die fehlenden Anbeter zu finden. Vor allem in der Umgebung von Türkheim haben wir noch zahlreiche Helfer gefunden.

Anbetung rund um die Uhr

Seit dem 19. September 1999 nun wird Jesus in unserer Pfarrkirche rund um die Uhr angebetet und ein ganz besonderes Abenteuer hat begonnen. Kaum einer, der mit der Anbetung begonnen hat, hat sie wieder aufgegeben. Wenngleich wir immer noch mehr Anbeter brauchen könnten, sorgt der Herr selbst doch ständig dafür, dass genügend Beter zur Verfügung stehen. Die Dankbarkeit derer, die jetzt schon über zwei Jahre die Anbetung halten und die Früchte, die jedem einzelnen und unserer ganzen Pfarrgemeinde auf verschiedene Weise geschenkt werden, ist wahrhaft überwältigend. Am 7. Oktober 2001 sind wir mit der Ewigen Anbetung in unsere neu renovierte Loretokapelle umgezogen.

Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament von nun an bis in Ewigkeit!

Bernhard Hesse, Pfarrer


Die Immerwährende Anbetung

Von Pfarrer Georg Flierl

1. Der Beginn

Den Anstoß, der die Ereignisse ins Rollen brachte, die schließlich zur Einführung der “Immerwährenden Anbetung” führten, gab ein Telefonanruf, spät an einem Abend im Oktober 1985. Ein amerikanischer Priester, P. Martin Lucia SSCC, der den Gedanken und das Werk der Immerwährenden Anbetung bis dahin in den USA in ca. 200 Pfarreien verbreitet hatte, wollte bei seinem Aufenthalt in Europa auch nach Tirschenreuth kommen. Auf den Gedanken, in Tirschenreuth anzufragen, hatte ihn Pfarrer Karl Maria Harrer aus München gebracht. Der Termin mit dem Pater wurde für den nächsten Tag, einen Freitag, vereinbart. Mit einiger Verspätung kam der Pater in Begleitung eines amerikanischen Ehepaares in Tirschenreuth an. Das Ehepaar hatte das jüngste seiner 15 Kinder mitgebracht. Der Pater befand sich an diesem Tag gesundheitlich in einem jämmerlichen Zustand, so dass es bei einer gemeinsamen Mahlzeit unmöglich war, allzuviel über sein eigentliches Anliegen zu erfahren. Ein zusätzliches Problem bildete die Sprache; der Pater und seine Begleitung sprachen kein Wort deutsch.

Der Samstag war dann der Tag, an dem mir der Pater nicht nur das Grundanliegen erläuterte, sondern v.a. ganz detailliert erklärte, welche Schritte nacheinander getan werden müßten, um die Organisation der Immerwährenden Anbetung durchzuführen.

Nachdem ich mir sicher war, den Pater genau verstanden zu haben - das hatte mich zwei Tage in Anspruch genommen - setzte ich die Einzelheiten H. H. Stadtpfarrer Georg Maria Witt auseinander, der zunächst den Besuch des Paters aus USA noch am Telefon abgewimmelt hätte. Nach seinen Erinnerungen war es eine Bemerkung von mir, es könnte vielleicht doch der Wille Gottes sein, den Pater kommen zu lassen, der es ihn doch dann anders überlegen ließ.

Er war zunächst vor dem Gedanken zurückgeschreckt, bei all den vielen Dingen, die in der Pfarrei ohnehin schon “liefen”, noch eine weitere Sache hinzuzubekommen.

Der nächste, mit dem das Ganze besprochen wurde, war der Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Daraufhin wurde eine Pfarrgemeinderatssitzung anberaumt, um das Projekt “immerwährende Anbetung” dort vorzustellen und durchzubesprechen. Ich erinnere mich, dass wir nicht unbedingt darauf erpicht waren, das Anliegen auf Biegen und Brechen durchzudrücken, sondern den Fortgang von den Reaktionen im Pfarrgemeinderat abhängig zu machen. Bei der Besprechung gab es u.a. drei Stimmen, die Einwände und Bedenken vortrugen, aber als Ganzes erwies sich der Pfarrgemeinderat durchaus offen. Somit war die Immerwährende Anbetung also nicht bereits im Keim wieder erstickt.

Als nächstes musste ein Predigttermin festgesetzt werden, an dem die Immerwährende Anbetung der ganzen Pfarrgemeinde vorgestellt werden sollte. Voraussetzung dafür war aber die Besprechung mit den Steyler Patres von St. Peter, Tirschenreuth, da ein relativ großer Teil der Pfarrgemeinde dort den Sonntagsgottesdienst besucht. Die Patres unter Leitung von P. Rektor Anton Schuch, SVD, erklärten sich damit einverstanden, dass einer der Pfarrseelsorger an dem betreffenden Sonntag die Predigt in der Klosterkirche St. Peter über die Immerwährende Anbetung hielt.

Diese Predigt war bei insgesamt acht Gottesdiensten zu halten, dreimal jeweils am Sonntagvormittag in der Stadtpfarrkirche und in St. Peter, sowie am Samstag und Sonntagabend noch einmal in der Stadtpfarrkirche. Unmittelbar im Anschluss an die Predigt wurden die Anmeldeformulare mit Kugelschreibern an die Gottesdienstbesucher durch Mitglieder des Pfarrgemeinderates ausgeteilt. Jeder, der bereit war, mitzumachen, musste Name, Telefonnummer und gewünschtes Tagesviertel eintragen. Das Ziel war, wenigstens 336 Beter zu finden, zwei für jede der 168 Stunden einer Woche. Nach dem ersten Gottesdienst, der Samstagvorabendmesse, hatten genau 42 Personen einen ausgefüllten Zettel abgegeben, Diese Zahl schien uns fast wie eine Verheißung, dass sich genügend Beter finden würden. Acht Gottesdienste waren es insgesamt, acht mal zweiundvierzig ergab genau die erforderliche Zahl von 336 Betern. Nach dem Abendgottesdienst am Sonntag waren es mehr als 380 ausgefüllte Zettel, manche zwar unleserlich, manche hatten das Anliegen falsch verstanden, manche Zettel hatten Grundschulkinder ohne Wissen der Eltern abgegeben. Aber der Grundstock war vorhanden, um weiterzumachen.

Die Anmeldeblätter wurden sortiert nach Tagesvierteln (0-6, 6-12, 12-18, 18-24 Uhr). Die meisten Anmeldungen lagen für die Zeit von 18-24, die wenigsten für die Zeit von 0-6 Uhr vor. Die Leute, die sich auf dem Anmeldeblatt durch ein zusätzliches Kreuzchen bereit erklärt hatten, bei der weiteren organisatorischen Arbeit mitzuwirken, wurden herausgesucht. Für jedes Tagesviertel wurde einer ausgewählt, der mit der Aufgabe der Einteilung der Beter betraut wurde. Hierzu war eine Vielzahl von Telefonaten notwendig. Manchmal bereitete das Entziffern der Telefonnummern und der Namen fast unlösbare Schwierigkeiten.

Schließlich war auch diese Arbeit bewältigt, aber es waren in der Zeittafel noch einige Lücken geblieben, vor allem in der Nacht und am Wochenende. Manch einer hatte beim Anruf des Einteilers einen Rückzieher gemacht, aber genausoviele gaben ihre Zusage nach einiger Bedenkzeit, so dass sich Absagen und Neuanmeldungen in etwa die Waage hielten.

Als Beginn für die Immerwährende Anbetung war der 21. März 1986 vorgesehen, der Schmerzhafte Freitag, das Patrozinium der Gnadenkapelle, der Geburts- und Todestag des Hl. Bruders Klaus von der Flüe, dem wir neben dem Hl. Josef das Anliegen der Immerwährenden Anbetung besonders anvertraut hatten. Vom 19.3., dem Festtag des Hl. Josef, bis zum 21.3.86 traf in diesem Jahr das traditionelle Triduum zum Schmerzhaften Freitag. Das Triduum diente diesmal der Vorbereitung des Beginns der Immerwährenden Anbetung. Der Prediger Dr. Bernhard Robert Kraus, Rektor der Wallfahrtskirche Maria Lindenberg, Schwarzwald, verstand es, der Pfarrgemeinde das Anliegen der Immerwährenden Anbetung so gut nahe zu bringen, dass die zusätzlichen Anmeldungen für die Immerwährende Anbetung ausreichten, um bis zum 21.3. die letzten Lücken in der Zeittafel schließen zu können.

Den abschließenden Gottesdienst zum Triduum des Patroziniums der Gnadenkapelle zelebrierte Weihbischof Vinzenz Guggenberger. Nach der eucharistischen Prozession wurde das Allerheiligste in der Gnadenkapelle ausgesetzt, die Immerwährende Anbetung hatte begonnen.

2. Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes als Tun der Kirche

a. Die praktische Übung

Die Kirche kennt die Anbetung des eucharistischen Herrn in verschiedenen organisatorischen Formen, so etwa das Vierzigstündige Gebet oder als “Ewige Anbetung”, wie sie auch in unserer Diözese üblich ist, wobei im Wechsel jeden Tag des Jahres eine oder mehrere Pfarreien diese “Ewige Anbetung” halten.

In der Weise, wie die Anbetung mittlerweile seit über fünf Jahren in der Pfarrgemeinde Tirschenreuth geübt wird, ist sie allerdings verhältnismäßig ungewöhnlich, wenngleich sich unweit von Tirschenreuth das von Altbischof Dr. Rudolf Graber eingerichtete Anbetungskloster in Konnersreuth befindet. Die dort im “Theresianum” wohnenden Schwestern und Pensionärinnen sind derzeit allerdings nicht in der Lage, die Anbetung ohne Unterbrechung auch nachts durchzuführen.

Bedeutende Orte der Anbetung sind Sacre Coeur in Paris, sowie die großen Marienwallfahrstorte Lourdes und Fatima mit jeweils eigens eingerichteter Anbetungskapelle.

b. Die dogmatischen Grundlagen

Die dogmatischen Grundlagen für die Anbetung der eucharistischen Brotsgestalt finden sich in der kirchlichen Lehre von der “Wesensverwandlung” (Transsubstantiation). Mit dieser Begrifflichkeit haben das IV. Laterankonzil (1215) und das Trienter Konzil (1551) die wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie zum Ausdruck gebracht. “Gottes Handeln in Jesus Christus geschieht ein für allemal. Dem entspricht die fortdauernde Gegenwart Jesu Christi i n der Eucharistie über die eucharistische Feier hinaus”. Der katholische Erwachsenenkatechismus macht darauf aufmerksam, dass der katholische Glaube an die fortdauernde eucharistische Gegenwart Jesu Christi ursprünglich seinen Ausdruck v. a. darin fand, die bei der eucharistischen Feier übriggebliebenen Elemente ehrfürchtig aufzubewahren und die Kommunion außerhalb der Eucharistiefeier den Kranken zu bringen (vgl. DS 1645; Nr. 574). Der ursprüngliche und primäre Sinn der Aufbewahrung der Eucharistie ist also die Krankenkommunion bzw. die Wegzehrung für die Sterbenden. Die Austeilung der hl. Kommunion außerhalb der Eucharistiefeier und die Verehrung und Anbetung des unter den eucharistischen Gestalten bleibend gegenwärtigen Herrn kommen erst in zweiter Linie hinzu. Zu diesen Formen eucharistischer Frömmigkeit außerhalb der Eucharistie gehören vor allem die eucharistische Anbetung, eucharistische Prozessionen, besonders das Fronleichnamsfest, sowie privates Gebet vor dem Allerheiligsten. Sie verbreiteten sich erst im Mittelalter und haben ihren Sinn in der Vorbereitung und in der Auswirkung der eucharistischen Feier, näherhin in der Kommunion (vgl. DS 1643; Nr. 573; SC 47). Werden diese Formen eucharistischer Frömmigkeit in diesem Zusammenhang verstanden, dann haben sie eine bleibende Bedeutung in der Kirche (vgl. DS 1644). Sie bedürfen deshalb im Leben jeder Gemeinde und jedes einzelnen Gläubigen der Pflege und der Verlebendigung.”

J. Ratzinger und Johann Auer machen im Blick auf “Genossenschaften von der ewigen Anbetung”, die besonders im 17. Jahrhundert entstanden waren, folgende Feststellung: “Insofern diese Unternehmungen dem Christuskult und dem Fürbittgebet für die großen Anliegen der Zeit gelten, bleiben sie von dauerndem Wert und notwendig für die Kirche”.

c. Die Verehrung des Geheimnisses der Eucharistie gemäß der “lnstructio de cultu mysterii eucharistici” vom 25. März 1967

In diesem Dokument wurde die kirchliche Lehre nach dem II. Vatikanischen Konzil verbindlich formuliert. Es begegnet, ähnlich wie im Katholischen Erwachsenenkatechismus, der Hinweis in Nr. 49 unter der Überschrift “Die Verehrung der Heiligen Eucharistie als eines fortdauernden Sakramentes”, “dass der erste und ursprüngliche Zweck der Aufbewahrung der heiligen Gestalten außerhalb der Messe in der Kirche die Spendung der Wegzehrung ist, die Aufbewahrung dient in zweiter Linie der Kommunion außerhalb der Messe und der Anbetung unseres Herrn Jesus Christus, der unter diesen Gestalten verborgen ist”. Das Dokument zitiert hier die Instruktion “Quam plurimum” vom 01.10.1949. Es fährt fort mit einer Zitation aus der Enzyklika “Mediator Dei” von Papst Pius XII.: “Dieser eucharistische Anbetungskult ist einwandfrei und zuverlässig begründet”.

In Nr. 50 wird dann über “Das Gebet vor dem Allerheiligsten Sakrament” gehandelt: “Die Gläubigen sollen bei der Verehrung des im Sakrament gegenwärtigen Christus daran denken, dass diese Gegenwart aus dem Opfer hervorgeht und auf die sakramentale und geistliche Kommunion hinzielt.

Die Frömmigkeit, welche die Gläubigen zur heiligen Eucharistie hindrängt, bedeutet deshalb eine Ermunterung für sie, voll und ganz am österlichen Geheimnis teilzunehmen und dankbaren Sinnes auf das Geschenk dessen zu antworten, der durch seine Menschheit ununterbrochen göttliches Leben in die Glieder seines Leibes einströmen lässt. Indem sie bei Christus, dem Herrn, verweilen, erfreuen sie sich vertrauten Umgangs mit ihm, schütten vor ihm ihr Herz aus und beten für sich und alle die Ihrigen, für den Frieden und das Heil der Welt. Mit Christus bringen sie im Heiligen Geiste ihr ganzes Leben dem Vater dar und empfangen aus dieser erhabenen Verbindung Wachstum in Glaube, Hoffnung und Liebe. So wird in ihnen jene rechte innere Haltung genährt, mit der sie in gebührender Ehrfurcht das Gedächtnis des Herrn feiern und häufig das Brot empfangen können, das uns der Vater geschenkt hat.

Die Gläubigen sollen es sich daher angelegen sein lassen, ihren Lebensumständen entsprechend Christus, den Herrn, im Sakrament zu verehren. Die Seelsorger aber sollen sie durch ihr Beispiel dazu hinführen und durch ihr Wort anleiten.”

Und in Nr. 2, Abschnitt f heißt es bereits:

“Es steht ohne Zweifel fest, dass alle Christgläubigen nach der Weise, wie sie stets in der katholischen Kirche geübt wurde, diesem heiligsten Sakrament bei der Verehrung die Huldigung der Anbetung erweisen, die man dem wahren Gott schuldet. Es ist nämlich keineswegs deshalb weniger anbetungswürdig, weil es von Christus dem Herrn eingesetzt wurde, damit es genossen werde. Darum ist nämlich im Sakrament, das aufbewahrt wird, er selbst anzubeten, da er wesentlich in ihm gegenwärtig ist, kraft jener Verwandlung von Brot und Wein, die gemäß dem Tridentinischen Konzil zutreffend Wesensverwandlung (Transsubstantiation) genannt wird”.

Diese Vorstellung der Texte aus der “Instructio de cultu mysterii eucharistici” sollte helfen, Anbetung des eucharistischen Herrn als ein Tun zu erhellen, das tatsächlich ganz im Sinne der Kirche geschieht. Außerdem sollten diese Aussagen dazu dienen, etwaige Vorbehalte gegenüber dieser Form der Frömmigkeit abzubauen.

d. Papst Johannes Paul II als Förderer der eucharistischen Frömmigkeit

Am 2. Dezember 1981 hat Papst Johannes Paul II. in der Sakramentskapelle des Petersdoms in Rom mit der “Ewigen Anbetung” begonnen; dies auch als Anregung für andere Kirchen, dieses Beispiel nachzuahmen. Der Papst sagte damals: “Für die Kirche und die Welt ist die Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes von großer Notwendigkeit ... Jesus erwartet uns in diesem Sakrament der Liebe ...”

In seinem Schreiben an alle Bischöfe der Kirche vom 24. Februar 1980 handelt er “Über das Geheimnis und die Verehrung der heiligsten Eucharistie”. In Nr. 3 betont er, dass die “Verehrung des eucharistischen Geheimnisses ... sich auf die Heiligste Dreifaltigkeit ... bezieht ... und unsere Kirchen auch außerhalb der Messzeiten erfüllen (soll),...weil das Geheimnis der Eucharistie seine Entstehung einer großen Liebe verdankt und ... unseren Dank und unsere Verehrung (verdient) ... Die Anbetung Christi in diesem Sakrament seiner Liebe muss dann auch seinen Ausdruck in vielfältigen Formen eucharistischem Frömmigkeit finden: persönliches Gebet vor dem Allerheiligsten, Anbetungsstunden, kürzere oder längere Zeiten der Aussetzung, das jährliche Vierzigstündige Gebet, der Sakramentale Segen, eucharistische Prozessionen, Eucharistische Kongresse. Einen besonderen Hinweis verdient an dieser Stelle das Fronleichnamsfest als ein öffentlicher Akt der Verehrung, der dem in der Eucharistie gegenwärtigen Christus bezeugt wird, wie es mein Vorgänger Papst Urban IV. in Erinnerung an die Einsetzung dieses großen Geheimnisses gewollt hat. Dies alles entspricht also den allgemeinen Prinzipien und besonderen Normen, die schon seit langem in Geltung sind Lind während oder nach dem II. Vatikanischen Konzil erneut festgelegt worden sind”.

“Die Belebung und Vertiefung der eucharistischen Frömmigkeit sind der Beweis für jene wahre Erneuerung, die das Konzil sich zum Ziel gesetzt hat und deren inneren Kern sie darstellen. Dies aber, verehrte, liebe Mitbrüder, verdient eine gesonderte Betrachtung. Die Kirche und die Welt haben die eucharistische Verehrung sehr nötig. In diesem Sakrament der Liebe wartet Jesus selbst auf uns. Keine Zeit sei uns dafür zu schade, um ihm dort zu begegnen: in der Anbetung, in einer Kontemplation voller Glauben, bereit, die große Schuld und alles Unrecht der Welt zu sühnen. Unsere Anbetung sollte nie aufhören”.

e. Zusammenfassung

Diese Zusammenstellung insbesondere lehramtlicher Aussagen über die Verehrung des eucharistischen Geheimnisses außerhalb der Messfeier mag genügen, um deutlich und nachdrücklich aufscheinen zu lassen, dass es sich hierbei um eine zutiefst christliche und gläubige Lebensäußerung handelt, die ganz im Sinne und Interesse der Kirche geschieht.

Zugleich bietet uns die zuletzt zitierte Äußerung Papst Johannes Pauls II., “die Belebung und Vertiefung der eucharistischen Frömmigkeit sind der Beweis für jene wahre Erneuerung, die das Konzil sich zum Ziel gesetzt hat” (vgl. Hervorhebung durch Unterstreichung), die Möglichkeit, auf den dritten Teil meiner Ausführungen überzuleiten: “Anbetung - ein Versuch und Weg zur innerlichen christlichen Erneuerung”.

3. Eucharistische Anbetung als Versuch und Weg zur innerlichen christlichen Erneuerung

Allgemein geläufig ist das Wort von der “ecclesia semper reformanda”. Auch das II. Vatikanische Konzil hat es betont und vollzogen, dass die Kirche eine ständig zu erneuernde Kirche ist. Es stellt sich aber sowohl im Blick auf die Kirche als beständig zu erneuernde wie auch im Blick auf unser Thema “Anbetung als Versuch und Weg zur innerlichen christlichen Erneuerung” die Frage nach den Kriterien, an denen eine solche Erneuerung erkannt und gemessen werden kann.

Die Frage nach den Kriterien lässt sich mit einem Blick in die Instruktion “Inaestimabile donum”’ der Kongregation für die Sakramente und den Gottesdienst beantworten. In der Einleitung zu dieser Instruktion werden zunächst eine Reihe positiver Früchte der Liturgiereform aufgezählt, dann aber auch verschiedenartigste Missbräuche. Es wird “ein wachsender Verlust des Gespürs für das Heilige” beklagt und festgestellt, dass “man ... es dem allerheiligsten Sakrament gegenüber an Ehrfurcht und Achtung fehlen (lässt).Alle diese Missbräuche, die im Blick auf die Liturgie in der Instruktion aufgezählt werden, bedeuten “eine wirkliche Verfälschung der katholischen Liturgie...”Es wird Thomas von Aquin zitiert: “Eine Verfälschung begeht, wer von seiten der Kirche Gott einen Kult in anderer Weise darbietet, als er mit gottgewollter Autorität von der Kirche festgesetzt und in der Kirche üblich ist”.’

Die Instruktion fährt fort mit der lapidaren Feststellung: “All das kann keine guten Früchte bringen”. Die Frage ist zu stellen: Was kann dann gute Früchte bringen, gute Früchte im Sinne der Kirche, im Sinne einer Erneuerung, einer innerlichen Erneuerung? Im Blick auf die Aussage des hl. Thomas beantwortet sich diese Frage so: Gute Früchte wird ein Kult bringen, der “mit gottgewollter Autorität von der Kirche festgesetzt und in der Kirche üblich ist”.

Damit haben wir zugleich die Grundlage erarbeitet, mit deren Hilfe wir die Frage beantworten können, ob die Immerwährende Anbetung des allerheiligsten Altarsakramentes als Versuch und Weg zur innerlichen christlichen Erneuerung tauglich ist (vgl. das Stichwort “Offensive nach Innen”!).

Es ist die Frage zu klären, ob Anbetung in dieser Weise, wie sie nun seit dein 21. März 1986 in der Pfarrgemeinde in Tirschenreuth geübt wird, im Sinne der Kirche ist oder nicht.

Dass sie im Sinne der Kirche ist, Lind dass sie es sogar in eminenter Weise ist, ist bereits im Hauptteil dieser Abhandlung in Abschnitt 2 erarbeitet worden. Sie hat eine tiefe Tradition in Praxis und Lehre der Kirche. Man könnte im übrigen unseren gegenwärtigen Papst ganz gewiss mindestens genauso als eucharistischen wie als marianischen Papst bezeichnen. Von ihm haben wirja bereits die Aussage aus seinem Schreiben vom 24. Februar 1980 angeführt: “Die Belebung und Vertiefung der eucharistischen Frömmigkeit sind der Beweis für jene wahre Erneuerung, die das Konzil sich zum Ziel gesetzt hat’.

In Nr. 20 in “Inaestimabile donum” findet sich im Blick auf den “eucharistischen Kult außerhalb der Messe” die Aussage: “Nachdrücklich empfohlen wird die öffentliche und private Verehrung der heiligsten Eucharistie auch außerhalb der heiligen Messe...” In Nr. 27 derselben Instruktion ist von der Aufgabe der Priester die Rede, “den Gläubigen die Bedeutung der Liturgie ... darzulegen”. Dieselbe Aufgabe wird sich beständig stellen genauso hinsichtlich der Anbetung des eucharistischen Herrn.

Zum Schluss soll eine der herausragendsten Vertreterinnen der katholischen Christenheit zu Wort kommen, Mutter Teresa von Kalkutta. Im Informationsdienst “idu” in der Ausgabe vom 11. Juni 1987 finden sich zwei Ansprachen von ihr wiedergegeben. Laut “idu” richtete sie in der Ansprache in der Wiener Pfarrkirche St. Rochus am Donnerstagabend, 4. Juni an die Österreicher auch die Bitte, wenigstens einmal in der Woche in eine Kirche zur Anbetung zu gehen: “Vertraut auf die Macht des Gebets, vertraut auf Gott, glaubt an ihn und liebt ihn”.

Am 5. Juni hob sie bei einer Begegnung mit zwei Mädchenklassen einer Hollabrunner Schule “die Wichtigkeit des Gebetslebens für ihr Wirken hervor, besonders die täglich einstündige Anbetung der hl. Eucharistie”. Wörtlich sagte sie: “Drängt eure Pfarrer, dass sie euch das schöne Geschenk machen, das Geschenk der Anbetung!”

4. Erfahrungen mit der Anbetung

Abschließend sei es nicht unterlassen, einen kurzen Blick darauf zu tun, welche Erfahrungen diejenigen Mitglieder der Pfarrgemeinde in Tirschenreuth machen, die zur Anbetung kommen. Nach über fünf Jahren, und damit nach mehr als 250 Anbetungsstunden, die die regelmäßigen und fest eingeschriebenen Anbeter vor dem Allerheiligsten zugebracht haben, hat sich nach meinen Beobachtungen alles ziemlich fest und beständig eingespielt. Das Problem, eine Lücke zu schließen, stellt sich in der Regel nur dann, wenn jemand krankheitsbedingt, beruflich oder evt. wegen einer Urlaubsfahrt abwesend ist. Aber auch hier sind die meisten so selbständig, dass sie eigenständig, d.h., ohne die Priester zu beanspruchen, eine Vertretung aus dem Verwandten- oder Freundeskreis finden. Da oder dort wird eine solche “Aushilfe” für den Betreffenden sogar zum Anstoß, regelmäßig zu kommen.

Jedenfalls sind die Anfangsschwierigkeiten inzwischen überwunden, die sich für viele in kleinen praktischen Dingen ergeben hatten: Durch welche Tür kann die Kirche betreten werden? Wo und wann muss ich mich eintragen, wenn ich meine Stunde gehalten habe? An wen wende ich mich, wenn ich eine Vertretung ganz kurzfristig benötige? Wie gestalte ich die Stunde? Wie komme ich nachts in die Kirche? Was ist zu tun, wenn die Ablösung einmal nicht kommt? Diese Lind ähnliche Fragen haben sich für die Beter inzwischen alle geklärt.

Und was noch wichtiger ist: Es hat sich inzwischen ein stabiler und zuverlässiger Stamm von Betern herauskristallisiert, auf die in jedem Fall Verlass ist. In der ersten Phase ergab sich diese Klärung im wesentlichen bereits, welche der angemeldeten Anbeter dabei bleiben und welche wieder aufhören würden. Es war zu beobachten, dass die Zahl der “Voreiligen” sich in etwa die Waage hielt mit der Zahl derjenigen, die eine längere Bedenkzeit in Anspruch nahmen und sich erst einige Wochen oder gar Monate nach dem Beginn der Immerwährenden Anbetung fest anmeldeten.

Die Äußerungen, die sich im Gespräch mit Anbetern bzw. auf direkte Befragung hin ergeben, lassen den Schluss zu, dass für die Betreffenden in dieser Stunde “Gotteserfahrung” möglich wird, bzw. die Beziehung zu Gott in jedem Fall bewusst gesucht wird. Ein Student, H. B., 20 Jahre, hat es so ausgedrückt: “Ich habe mich zur Anbetung gemeldet, um im persönlichen Gebet den intensiven Kontakt zu Gott zu finden ... Dabei konnte ich Gott gegenüber Menschen ins Gespräch bringen, die ich sonst vergessen hatte. Ich habe immer versucht, die Stunde kniend zu verbringen”.

Natürlich ergeben sich für den einzelnen immer wieder Schwierigkeiten, für manche, besonders in den frühen bzw. späten Stunden des Tages, ist es der Kampf mit der Müdigkeit, der bei einzelnen bewusst als “Buße” aufgefasst wird. Vielen wird die Erfahrung geschenkt, die in dem Wort Jesu verheißen ist: “Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen”. (Mt 11,28)

Eine Sparkassenangestellte, V H., 37Jahre, Mutter von zwei Söhnen (21 und 22 Jahre alt), erläutert ihre Motive für die Anbetung so: “In erster Linie ruhig werden, Ruhe finden. In der Stille Gott begegnen, einfach da sein. In der Rückbesinnung auf die vergangene Woche Ihm alles übergeben, Familie und Arbeit, Atemholen!”

M. K., Hausfrau, drückt es so aus: jeden Montag von 19.00-20.00 Uhr beten wir vor dem Allerheiligsten und ich erfahre Kraft und Stärke für die ganze Woche. Ich nehme alle meine Sorgen und Anliegen mit ... Der Montagabend bedeutet mir sehr viel und ich möchte ihn nicht mehr missen; deshalb wünsche ich, dass viele andere Pfarreien genauso schöne Erfahrungen machen dürfen”.

Beim Großteil der Beter ist die persönliche Gottesbeziehung sehr lebendig. Dies drückt sich zusätzlich darin aus, dass die meisten zu den regelmäßigen Sonntagsgottesdienstbesuchern zählen, die zudem auch während der Woche immer wieder im Gottesdienst zu sehen sind. Aber es sind auch solche zu finden, die nicht regelmäßig zur Messe kommen. Eine Frau meldete sich sogar ausdrücklich mit der Begründung, sie wolle Abbitte tun, weil sie bisher am Sonntag nicht immer zum Gottesdienst gehe.

Bei einer Reihe von Betern ist mir bekannt, dass sie durch das Gebet große persönliche und familiäre Probleme durchzutragen versuchen. Gerade für solche bleibt die seelsorgerische Begleitung durch den Priester unerlässlich.

All das aber, was vor dem Allerheiligsten geschieht, mehrt den Lobpreis des Lammes”, das geschlachtet wurde” und den Lobpreis dessen, “der auf dem Thron sitzt”, dem “gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit”. (Offb. 5,12.13)

entnommen aus: Witt, Georg Maria, Offensive nach Innen, Tirschenreuth 1992, S. 15-26